Ich bin in  R  O  M

Meine Zeit in ROM
Vom ersten Sehen, am Monte Mario, am 05.07.2009
 Bis zum Abflug, am 09.07.2009
Nun sitze ich hier, in der Villa Fatima, in ROM, in meinem Zimmer. Gerade bin ich vom Petersplatz zurück gekommen.  - 
Ich bin alleine und in meinen Gedanken versunken und überlege:
„Wie kam das alles eigentlich?  -  Wo liegt der Ursprung, zu dem, was ich jetzt hier, vollendet habe?“
Meine Gedanken gehen dann, in meinem Leben weit zurück. Bis in meine Kinderzeit, als ich erst 5 oder 6 Jahre alt war.  - 
In einem kleinen Dorf, wie Hoven, war es zu meiner Kinderzeit üblich, dass sich die Kirche und der Pfarrer, intensiv um die Kinder bemühten, wenn man in die Schule kam, die damals noch in jedem Dorf war.
So wurde uns Kindern  R O M  als der Vorhof des Himmels dargestellt.
Wenn unser Pastor, Wilhelm Lantin, von ROM sprach, lauschten wir ehrfürchtig, seinen Worten. Er erklärte uns, den hl. Vater, als ein schon fast übernatürliches Wesen. 
  So empfanden wir es zumindest.
Was man Kindern, ins Herz pflanzt, bleibt ein Leben lang dort haften.
ROM war damals so weit weg.  -  Völlig unerreichbar.
Dann geschah es, vor etwa 60 Jahren, das ein „Ting“ in unserer  Familie statt fand. Aus welchem Zweig der Familie es kam, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich nur dran, dass im Nachbarort, der Saal, der zum Lokal Streicher gehörte, gefüllt war, mit Familienangehörigen. Bei diesem Fest, wurde entweder ein Film gezeigt, oder es lief dort ein Fernsehgerät, was aber unwahrscheinlicher ist.

Der Papst segnet die Menschen auf dem Petersplatz nach dem Angelusgebet,und ich bin dabei. Helga ist per Handy auch mit dabei.


Dort sah ich zum ersten Mal  Papst Pius XII. Wenn ich mich jetzt an die Bilder, die ich sah erinnere, muss es im Castel Gandolfo gewesen sein, der Sommerresidenz der Päpste. Das  waren Bilder, die mir damals so vorkamen, als sei dies der Himmel.
Seit dieser Zeit, waren ROM und der Vatikan für mich, schon so etwas, wie der Himmel.
Es war dann immer, irgendwo in meinem Kopf.
In den 80er Jahren, entdeckte man in Spanien, den Jakobsweg neu. Zu dieser Zeit gingen pro Jahr um die 80 Pilger diesen Pilgerweg bis Santiago de Compostela.
Ich wusste, dass Pilger von St. Anna, in Düren, zu Fuß nach Trier pilgerten. Diese Leute habe ich immer bewundert. Denn 200 km wandern, dass ist schon etwas.
Als ich dann später aber nun vom Jakobsweg hörte und erfuhr dass hier die Pilger ca. 800 km und mehr auf sich nahmen, (wenn sie bis ans Meer gingen) habe ich im ersten Moment gedacht:
„Wer so etwas macht, der muss doch nicht richtig im Kopf sein“.
Dann sah ich auch, wie in Santiago de Compostela das große Weihrauchfass (Butafumeiro)  durch die Kathedrale bei der Pilgermesse geschleudert wird. Dies hatte in früheren Jahren den Sinn, durch den Weihrauch den, den Pilgern anhaftenden Pilgergeruch zu entschärfen.
Meine Neugier war irgendwie geweckt. Die länge des Weges relativiert sich, wenn man dann überlegt: 40 Tage a´ 20 km sind 800 km. Die Neugier war, wie gesagt, geweckt.
Wenn ich dann, im Laufe der Jahre, irgendetwas über den Jakobsweg sah, oder in der Zeitung lesen konnte, wurde der Wunsch immer ausgeprägter, diesen Weg einmal selbst zu gehen. Vielleicht war es eine willkommene Entschuldigung, dass ich nicht 40 Tage von meinem Montagebetrieb fernbleiben konnte und somit nicht zu gehen brauchte, besser gesagt nicht konnte.
Dann geschah es, dass im Jahre 2002 eine schwere Krankheit uns heimsuchte. Es ging dabei, bei meiner HELGA um Leben und Tod. Wenn ich abends, mit unserem kleinen Hund zu hause saß, nachdem ich von Helga aus dem Krankenhaus gekommen war und ihm erzählte, wie die momentane Situation war.
Wenn es dann wieder einen Rückschlag gegeben hatte bei der Genesung und wir wieder das Schlimmste drohte, äußerte ich die Hoffnung, dass alles gut wird. Und sagte meinem kleinen Danny ( Hund ) dass ich alles tun werde, auch wenn ich dafür, zu Fuß, nach ROM gehe müsste.
HELGA schaffte es durch die Kunst der Ärzte und wurde wieder gesund!    -   Es grenzte schon fast an ein Wunder, bei der Schwere der Krankheit.
Nach 5 Wochen konnten wir dann hoffen dass Sie wieder nach Hause kommt. Auch wenn es noch 5 Wochen dauerte.
Ein Schlüsselerlebnis, führte mir vor Augen, welch großes Glück wir trotz allem gehabt haben.
Wir hatten in einer Stadt, in einer verkehrsberuhigten Zone, in einer Schule, eine Baustelle. Ich schaue auf die Straße und sah unten ein Paar, über den Platz gehen. Der noch junge Mann zog eine Frau, die schwer behindert war, an der Hand, hinter sich her, über den Platz.
Da wurde es mir heiß im Rücken. Ich dachte daran, dass wir doch sehr viel Glück gehabt haben. Denn es hätte für uns, genauso ausgehen können. Wie bei diesem Paar, das da über den Platz geht.
Hier wusste ich auf einmal, dass ich den Jakobsweg gehe musste. Demütig und voller Dankbarkeit. Es waren zwar schlimme 10 Wochen, die wir durchstehen mussten. Aber es ging alles noch einmal gut aus.
So machte ich mich, nachdem ich dann die Möglichkeit hatte, ( als Ruheständler ) im Jahre 2007 auf den Jakobsweg.
Ich ging von Saint Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela,
ca. 800 km

Nachdem ich zurück war, kam mir bei der Gestaltung der Home Page: www.der-pilger-web.de und der Auswahl der Bilder, der Gedanke, den Weg noch einmal zu gehen.
Nach einiger Zeit sagte Helga mir dann, dass sie gerne mit mir gehen möchte. So machten wir uns, im Mai 2008 erneut auf den Jakobsweg. Leider mussten wir  den Weg abbrechen, wegen schlechtem Wetter und teilweiser Unpassierbarkeit des Jakobsweges, wegen Überflutung.
In Santo Domingo de la Calzada brachen wir ab.
Im September 2008 fuhr ich jedoch dann alleine zurück und ging den Weg ein zweites Mal zu Ende. Ich besuchte aber auch das Marienheiligtum „A Nosa Seniora da Barca“  in Muxia und ging dann nach Finistera an den 0,00 Punkt.
Hier glaubten früher die Menschen, dass hier an der Küste die Erde endet.
Die Pilger reinigten sich im Meer vom Dreck des Pilgerweges und verbrannten hier ihre Kleider.
Außerdem blieb man hier bis zum Sonnenuntergang, der hier sehr schön und bombastig ist. Bis hier sind es dann ca. 950 km
Als ich dann zurück war, fühlte ich mich immer noch nicht befreit, von dem Gedanken, dass ich meinen schuldigen Dank abgetragen, bzw. abgepilgert habe. Einem inneren Drang nachgebend, sagte ich dann, eines Tages, meiner Frau und meiner Familie, dass ich nach ROM gehen muss.
Heute Morgen nun, als ich von der 1. Rampe des Monte Mario, so plötzlich und unerwartet ROM vor mir sah, fiel der große innere Druck von mir ab und lies mich befreit und beglückt aufatmen.
Ich wusste:
„Nun habe ich mein Versprechen eingelöst!“

Der kurze Weg, vom Monte Mario hinein in die ewige Stadt Rom entschädigte mich, für die vielen Schmerzen und Mühen, die ich auf mich genommen hatte.
Nach gut 20 Minuten stehe ich an der Mauer, die den Vatikan umgibt. Ich gehe ein Stück an dieser Mauer entlang, dann macht sie einen Knick nach links. Ich folge ihr dann ein weiteres Stück. Bald geht es rechts herum und weit vor mir, sehe ich die Torbögen, durch die ich dann den Vatikan betreten kann und hinein gehe.
Hinter den Bögen kommt man bereits in die Säulenhalle, die den Petersplatz  umgibt.
Dann stehe ich auf dem Petersplatz, sehe die Basilika und alles, was ich bisher nur aus dem Fernsehen her kenne, wenn hier die großen Messen stattfinden. Ich bin zur rechten Zeit auf dem Petersplatz eingetroffen. Der Platz füllt sich mit vielen Menschen. Eine Fernsehkamera steht auf dem Platz und dann wird plötzlich im rechten oberen Gebäude ein langer Wandteppich ausgerollt und der hl. Vater beginnt mit dem Angelusgebet.
Dann erlebe ich, wie uns der hl. Vater den Segen spendet.
Ich rufe Helga zu hause an und halte mein Handy hoch und so bekommt Helga den Segen des hl. Vaters über das Telefon mit.
Nun sitze ich hier, in der Villa Fatima und kann die Eindrücke und Gefühle noch gar nicht richtig verarbeiten und einordnen. Es war ein langer Weg hierher, durch die Eifel, den Hunsrück, über die Mosel, den Taunus, durch den Naturpark Pfälzerwald, über den Rhein, durch den Schwarzwald, am Kaiserstuhl vorbei, bei Basel in die Schweiz hinein. In Basel überquere ich erneut den Rhein, und strebe dem Jura entgegen. Gelangte zum Bielersee, weiter am Murtensee vorbei nach Montreux am Genfersee.
Ab hier ging es tiefer in die Alpen hinein. Über Saint Maurice, Martigny dann hinauf bis zum Pass auf dem Col du Saint Grand Bernhard, auf 2461 m.
Dann über die Grenze nach Italien und hinunter nach Aosta dann durch das Aostatal und die Provinz Aosta. Durch die Provinzen Piemont, durch die Poebene und über den Po in die Province Emilia Romagna. Dann durch die Toskana in die Provinz Latium hinein und hier zur Hauptstadt Rom und den Vatikan.
Es ist so unfassbar, dass ich einfach noch einmal meine HELGA anrufen. Ich muss einfach noch einmal mit ihr sprechen.
Ich weiß genau, dass sie jetzt in Gedanken bei mir ist und sich zusammen mit mir freut, dass ich wirklich ROM erreicht habe.
Sie hat unmittelbar nachdem ich Rom erreicht habe die Deutschlandflagge an unserem Haus hochgezogen. Damit hat sie wohl 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens hat sie ihrer Freude damit sichtbar Ausdruck verliehen und zum 2. unseren Nachbarn und allen die von meiner Pilgerreise im Dorf wussten, angekündigt dass ich am Ziel bin.
Wie so oft auf meiner Wanderschaft zieht Draußen wieder ein Gewitter auf. Es dauert auch nicht lange bis es sich entlädt.
Dann liege ich noch sehr lange wach, ehe ich einschlafen kann. Mein bisheriges Leben zieht an mir vorbei. Meine Kinderzeit, in der diese Wanderschaft Ihren Ursprung nahm. Die Zeit meines Heranwachsens, mit Berufsausbildung. Meine Zeit bei der Marine. Die Zeit in der Helga und ich uns kennen lernten, unsere Hochzeit und die Geburten unserer 2 Mädchen, Hausbau, Geschäftsaufbau. Dann unsere Enkelkinder. Auch all das Schlimme was man uns antat, was schliesslich zu der schweren Erkrankung 2002 führte. Auch wenn ich mich dagegen wehrte und einfach nicht mehr daran denken wollte, es war da und beschäftigte mich. Es wühlte mich sehr auf, da es nicht zu begreifen ist.

64.Montag-06.07.2009-2.Tag-in-Rom-mit-Don.Bruno.Vercesi
zurueck-zum-Anfang der Seite
Ich kann es kaum glauben, ich habe Rom erreicht und fühle mich gut dabei.