Freitag den 19.06.2009


46. Etappe: Von Belgioioso nach Masero ca. 33 km

Heute Morgen, bin ich bereits um 06.oo Uhr, auf dem Weg. Einfach raus, aus dem Zimmer, den Schlüssel einfach stecken gelassen und ab geht es. Das Wetter ist gut  und ich bin wieder auf der Straße, in Richtung Süden. Ich durchquere, den relativ großen Ort und dann, auf der Landstraße SS-234, geht es zügig weiter.
Bei Sita Anastasia, laufe ich an einem großen, landwirtschaftlichen Gut vorbei. Es hat die Größe, eines ganzen Dorfes, das aber langsam, in sich zerfällt.
Mein weiterer Weg, führt mich dann an dem Ort Corte dona entlang und bereits nach 1,5 Std. habe ich Sita Cristina + E.Bissone erreicht. Die Sonne wird heute, durch viele Schleierwolken, daran gehindert, frei herab zu scheinen. Der kühle Wind, der etwas dazu weht, macht es angenehm, zu wandern. So geht es gut voran, in Richtung Orio Litta.
Auf den Reisfeldern, gibt es viele Fischreiher. Es kommt daher, weil die Kanäle, welche die Reisfelder mit Wasser versorgen, sehr Fischreich sind. Beim Fluten, der Felder, werden die Fische, auf die Felder, geschwemmt und die Reiher, haben immer, einen reichlich gedeckten Tisch, vor sich.
Die Reiher, welche bei uns, in Deutschland vorkommen, sind eher grau und nur selten mal weiß. Hier dagegen, sind die Reiher, eher weiß. Bedingt, durch das ausgeklügelte Kanalnetz, was hier das Land durchzieht und ohne Pumpen auskommt, können die Fische, zusammen mit dem Wasser, überallhin verteilt werden.
Ich erreiche dann den Ort S. Colombano. Hier gibt es eine große Kirche und wieder ein großes Kastello. Es geht auf 10.oo Uhr zu und ich muss jetzt zusehen, dass ich etwas zum Frühstück bekomme.
Wichtig ist auch, dass ich immer wieder das Wasser, im Körper auffülle, was ich unterwegs, ausschwitze. In Mariotto gibt es eine Bar, die direkt am Weg liegt. Hier mache ich nun, die längst fällige Rast. Mein rechter Fuß schmerzt und braucht eine Entspannung. Ich nehme, in der Bar, 3 Stück Croissant und 3 Cola.
Es setzt sich, ein junger Pilger, neben mich. Auch ein Deutscher. Er sprach davon, dass er gegen 12.oo Uhr, mit der Pilgerfähre, über den Fluss Po, übersetzen will.
Er hatte es auch sehr eilig, dort hin zu kommen. Ich dagegen, wollte eigentlich, erst morgen übersetzen.
Um 11.oo Uhr, verlasse ich die Bar. Nach nur ein paar 100 m, habe ich den Fluss Lambro erreicht, hinter dem ich nun, nach rechts abbiegen muss, nachdem ich ihn überquert habe. Ich schaue mir noch die alte Brücke, aus der Römer-Zeit an. Dann wandere ich, auf dem Deich, am Lambro, weiter und denke: „Die paar Kilometer kannst Du noch schaffen. Um 12.oo Uhr, könnte ich dann noch mit überzusetzen“.

alte Römerbrücke über den Fluss Lambro, der zum Po fließt


So wandere ich also, auf dem Deich und komme an einen Wegweiser, des Via Francigena. Dieser weist mich, nach links, vom Deich herunter, in Richtung Orio Litta.
Am Ortseingang, muss ich zuerst, an einem kleinen, aber sehr aggressiven, Mischlingshund vorbei. (Partisano) Als er mich sieht, kommt er gleich, mit lautem Gekläffe und in rasendem Tempo, auf mich zugelaufen und greift sofort an. Er ist es wohl so gewohnt, dass man vor ihm abhaut. Ich dagegen, drehe mich zu ihm um und gehe, 3 schnelle Schritte, auf ihn zu und mache eine Drohgebärde.  -  Das kannte er wohl nicht.  -  Er streckte alle Viere von sich, um abzubremsen. Doch er hatte aber, so viel Tempo drauf, dass er bis auf ca. 1 Meter, an mich heran rutschte, bevor er zum Stehen kam.
Nun wollte er weg und gab wieder, so richtig Gas. Er rutsche aber mehr aus, als das er vom Fleck kam. Er lief, bis in sichere Entfernung  und startete, von dort, wieder einen neuen Angriff. Als ich aber auf ihn zulief, klemmte er seinen Schwanz ein, jaulte auf und machte, dass er in Sicherheit kam.
Etwas später, gehe ich, nach Orio Litta hinein. Auf der Via Roma, spricht mich zum Glück ein Mann an. Er erklärt mir, dass ich falsch bin und zurück, zum Damm, muss. Dann soll ich nach links, in Richtung Po, weiter gehen. Jetzt wird es aber Zeit und ich gehe einen Schritt schneller. Doch nun muss ich wieder, an dem kleinen Vierbeiner vorbei. Als er mich sieht, startet er wieder, mit viel Getöse, einen neuen Angriff, auf mich. Ich bücke mich, als ob ich einen Stein aufheben will und mache eine Drohgebärde. Nun hat er aber, von mir, die Schnauze voll und verdrückt sich. Aber nicht ohne Protest. Das heißt jetzt aber, für mich:
„Ich brauche dringend, einen neuen Wanderstock!“
Jetzt muss ich jedoch, erst wieder, auf den Deich kommen.  -  Das sind, gut und gerne, rund 800 m, bis dort.  -  Dann geht es, nach links, in Richtung Corte Sant´ Andrea.
Rechts, geht es dann, vom Deich hinunter, zum Anleger.  -  Der ist jedoch, leider gesperrt.  -  Ich will gerade weiter, zum Yachthafen, da höre ich ein Boot und sehe auch gleich, meinen Mitpilger, von heute Morgen, in diesem Boot sitzen.  -  Sie wollen gerade losfahren. - Ich pfeife, auf den Fingern. Sie stoppen und ich kann noch zusteigen.
Danielo Parisi
betreibt hier, diese Pilgerfähre. Ohne Credencial, (Pilger-Ausweis) nimmt er keinen mit. - Er wohnt, auf der anderen Seite, direkt am Fluss. Man muss ihn rechtzeitig anrufen, unter der Nr. 0523 / 7716007, dann holt er einen ab. Es ist keine reguläre Einrichtung, sondern es handelt sich hier, um einen Service, ausschließlich für die ROM-Pilger.
Am Anleger stehen zwei, historische Säulen, die diesen Anleger markieren. Der Fährmann, Danielo Parisi, motzt zwar etwas, während er mich zu steigen lässt, da ich nicht angemeldet sei. Aber er mache mal, ein Auge zu. Dies war natürlich, nicht ganz ernst gemeint, da das Übersetzen, pro Pilger, nur 5,00 € kostet, aber Sprit verbraucht, für 15,00 €.
Es ist, rein rechnerisch, schon besser, so viele Pilger, wie möglich mitzunehmen. Er bekommt, von der Gemeinde, noch einen Zuschuss, für diesen Dienst. Sonst währe es, unmöglich für ihn, diese Arbeit zu tun.
Auf der anderen Seite, die wir nach etwa einer ½ Stunde erreichen, steht sein Haus, gleich hinter dem Deich. Hier steht auch, eine historische Säule, die seit ewiger Zeit, diesen Platz markiert. Dann werden wir, in das Fährbuch eingetragen und bekommen, seinen schönen Stempel, ins Credencial gedrückt. Er schenkt jedem noch, eine Flasche Wasser. 5,00 € Spende, nimmt er nur widerwillig an. Er sagt, dass er das Geld weitergibt, an einen Freund, der in Afrika, eine Kirche aufbaut und dafür viel Geld braucht.
So sind sie eben:  -  „Die Helfer, an den Pilgerwegen.   -   Immer für andere, sich einsetzend.  -  Klasse!“

Bevor wir Soprarivo verlassen, gibt er uns noch ein paar Tipps, wie es von hieraus weitergeht. Dann ziehen wir, von dannen, ins nächste Dorf, Calendasco.  -  Ich bin am Ziel, meiner heutigen Etappe. Sogar schon weiter, als ich ursprünglich wollte.  -  Hier trennen wir uns, denn mein Mitpilger, will noch weiter.
Ich versuche, hier ein Bett zubekommen. In einer neuen, für Pilger erstellten Einrichtung, sehe ich mir, das Zimmer an, welches ich bekommen könnte. Ein Dicker, aus dem  man gut zwei, dann immer noch dicke Männer, hätte machen können, war gerade dabei, das Zimmer zu räumen. Bei dem Gedanken, dass ich im gleichen Bett schlafen soll, in dem er gelegen hatte, hatte ich schon, die Nase voll. So ging ich lieber, 1 km zurück, nach Masero, zu einer
Bed & Breakfast - Einrichtung
und bekam dort, ein Zimmer für Pilger, für 15,00 €. Ein schönes Zimmer, mit Dusche und WC.
Es war ein altes Bauernhaus, welsches zu einem Gasthof, mit Fremdenzimmer, als Bed & Breakfast - Haus, sehr schön und sauber, umgebaut wurde.
Am Abend, um 19.oo Uhr, gab es Abendessen. Draußen zog ein Gewitter, hin und her. Es konnte, jeden Moment, loslegen.
Das Abendessen, war wohl das Letzte!  -  Ich bekomme meine Pasta, als Vorspeise. Dann lässt man mich,  45 Minuten warten. Draußen trugen sie, Tische und Stühle zusammen. Es hatte sich offenbar, eine größere Gesellschaft angesagt. Man hatte mich aber, darüber ganz vergessen.  -  Irgendwann, hatte ich die Nase voll.  -  Ich bin dann aufgestanden und auf mein Zimmer gegangen.
Kurz danach, klopfte es, an meiner Türe.  -  Da ich sauer war und ich keine Lust mehr verspürte, hinunter zu gehen, sagte ich dem Kellner: „Ich mag nicht mehr! – Basta!“
Na, - Ja.  -  Deutsche Gründlichkeit, kennen die hier nicht!  -  Alles typisch  „Italienisch“:  „Kommste heute nicht,  -  kommste Morgen“.    -  Nur nicht aufregen.   -   Manjana.
Auf dieser Seite, des Po, befinde ich mich, in der Province Emilia-Romagna. Hier verläuft die Via Emilia, die noch von den Römern angelegt wurde.
Es waren heute 33 km, bei schönem Wetter.

Gesamtkilometer bisher: ca. 1.286,

47.Etappe-19.06.2009-Masero-Fontana.Fredda.di.Cadeo.ca.34km
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Belgioioso
Corteolona
S.Cristina / E.Bissone
Camporinaldo
Orio Litta
Corte Sant Andrea
Anleger mit historischen Säulen, die den Anleger seit je her markieren.
Markierungssäule am gegenüberliegenden Ufer des Flusses "Po"
Eintragung in das Fähr- und Pilgerbuch. Willi und der Fährmann
Einkehr in Masero im Bed & Breakfast - Haus und Ende der heutigen Etappe.