Donnerstag den 11.06.2009


38. Etappe: Vom  „Col du Grant Saint Bernhard“  nach Aosta ca. 35,7 km

Das sieht heute, mit dem Wetter, gar nicht gut aus! Um 07.oo Uhr regnet es und Nebelschwaden ziehen hier oben, um die Gipfel. Der erste Blick, aus dem Fenster, war also nicht gerade erhebend. So mache ich meine Gitarre und den Rucksack regendicht und gehe dann, um 08.oo Uhr, zum Frühstück. Mal sehen, wie sich das Wetter, bis nach dem Frühstück, entwickelt.
Das Frühstück fällt sehr bescheiden und dürftig aus. Es ist somit schnell beendet. Der Leiter, des Hospizes, ist ein noch junger Chorherr. Er hat am gestrigen Abend, die Abendmesse gehalten. Dann gibt es noch 3 weitere Chorherren. Der Rest, der hier herumläuft, sind wie schon erwähnt, Freiwillige. Die Frau an der Pforte sagt mir: „Wenn wir hier nicht aufpassen, dann laufen uns die Touristen, bis oben in die Zimmer“. Sie führte, am Abend, auch einen Informationsfilm, über die Kloster-Anlage vor und erklärte dabei, den Sinn und das Leben der Mönche, hier oben. Dabei bin ich aber leider, vor Erschöpfung, eingeschlafen.
Nach dem Frühstück, begleitet mich der Chorherr, der mich gestern auch eingewiesen hat, nach draußen und verabschiedet mich. Er sagt mir: „Kommen Sie doch im Winter noch mal hierher. Dann können Sie, mit den Skiern, über die Brücke dort fahren. Die sehen Sie dann gar nicht mehr. So hoch liegt dann hier, bei uns, der Schnee. Dann ist auch der Pass geschlossen und es gibt hier nur den Hotelbetrieb“. Im ganzen Haus, durfte man nur in Filzlatschen herum laufen. Die Wanderschuhe mussten im Keller deponiert werden. Nur der Leiter der Anlage, saß gestern, mit seinen Wanderschuhen, in der Vorabendmesse, zu Fronleichnam.

das Kreuz im zugefrorenen Gletschersee, Saint Bernhard Abgang ins Tal


Ich verabschiede mich, um 08.3o Uhr und gehe hinaus, in den leichten Nieselregen. Es ist kalt hier oben, auf fast 2.500 m Höhe. Ich setze nun meinen Weg fort und gehe am See entlang. Hinter mir bleiben die Zwinger, der Bernhardiner zurück.
Die gewaltigen Hunde, wurden hier einst gezüchtet und leisteten Hilfe, wenn Menschen in Bergnot waren. Sie wurden längst, durch andere Rassen ersetzt und sind hier oben, nur noch Historie.
Ich passiere dann die Passhöhe und wandere, über die italienische Grenze. Hier erreiche ich, die Hotelgebäude und die Statue, des hl. Bernhard auf der italienischen Seite. Ich sehe das Kreuz, im See, der noch mit Eis bedeckt ist und wandere, wie durch ein breites Tor, nach Italien hinein.
Man hat mir, im Hospize gesagt, dass die Via Francigena nicht passierbar ist, da sie zum großen Teil, noch unter Schneemassen liegt und dort, wo sie frei ist, aufgeweicht und überflutet ist. Es sei einfach zu gefährlich, diesen Weg zu gehen. Er ist zwar bedeutend kürzer, als über die Serpentine, nach Aosta. Doch ich befolge den Rat und wandere, auf der Pass-Straße, hinunter nach Aosta.
Als ich das Hochplateau, des Passes, verlassen habe, sehe ich bereits, meinen weiteren Weg, weit vor mir, mit vielen Kurven und Kehren. Es ist ein nicht enden wollender Weg, auf der Straße hinab. Es geht an Almen vorbei. Doch hier ist noch alles, dicht und verschlossen. Dann weisen Schilder, auf einen alten Römerweg hin, den auch schon Napoleon, mit seinen Truppen, benutzt haben soll.
Langsam komme ich, aus der kargen Hochgebirgswelt, wieder hinab, zur Vegetationsgrenze, wo es dann endlich, wieder grüner und bunter wird. Ich komme an die Baumgrenze. Dann taucht ein Tunnelausgang auf. Ich unterquere, durch diesen Tunnel, die Autobahn und sehe, im Tunnel, den maroden Beton, auf dem die Autobahn verläuft. Ganze Riegel, aus Beton, manche bis zu ca. 6 m lang, sind einfach abgefallen, und liegen hier unten. Der Lawinenüberbau, zieht sich hier, über viele km, oben am Berg entlang. Kein schöner Anblick.
Stunde um Stunde, wandere ich, auf der alten Pass-Straße, durch dichten Wald, den Berg hinunter. Ich komme auch an Straßenbaustellen vorbei und denke mir:
„Ihr müsst euch aber wohl beeilen, denn in 5 Wochen, fährt hier die Tour de France herunter. Dann müsst ihr aber fertig sein!“
Dann erreiche ich Saint Remy, das erste italienische Dorf, in dem ich  Rast mache und Helga anrufe.
Oben, noch über der Baumgrenze, hatte ich ein paar Murmeltiere gesehen. Erst Gestern, hatte ich zum ersten Mal Berührung, mit diesen Tieren. Am Skilift, in Bourg Saint Bernhard, sah ich sie, von Weitem. Irgendwann hörte ich dann, einen grellen, lauten Pfiff. Ich dachte, es sei ein Greifvogel, aber nichts war zu sehen. Auf jeden Fall, hatte ich mich erschrocken. Den gleichen, schrillen Ton, hörte ich heute wieder. Doch wieder kein Vogel. Dann sah ich ein Murmeltier. Es war sicher, einer der Wächter, in der Gruppe. Ich war wohl unbemerkt, zu nahe heran gekommen. Darum dieser laute Warnton, der mich zusammenzucken lies und die anderen Murmeltiere zur Wachsamkeit aufrief. So höre ich hier, auf dem ganzen Weg, nach unten, immer wieder diesen Ton. Aber leiser und nicht so schrill.

auf dem Weg nach Aosta


Das Wetter bessert sich, je weiter ich hinunter komme. Über den Via Francigena sind es, bis Etroubles, 12 km. Über die Pass-Straße und Saint Oyen, sind es laut Navi 19,7 km. Aber die Pass-Straße ist der sicherere Weg. Hier, in Saint Oyen, mache ich noch einmal Pause. Bis Aosta sind es immerhin noch 16 km. Die Sonne brennt mir inzwischen, auf den Pelz. Meine Jacke habe ich, schon lange, ausgezogen und die Hosenbeine verkürzt. Autofahrer und Motorradfahrer, die mir begegnen, grüßen freundlich, wie auf dem ganzen Weg, bis hierher.
Ich komme gut vorwärts und es geht kontinuierlich bergab. Dann erreiche ich das Tal, an dem Aosta anschließt und erreiche, über eine Abkürzung, gegen 17.oo Uhr, Aosta. Auf dem Weg, durch einen Vorort, zur Stadt hinunter, wurde ich fast von einem großen Hund gebissen. Es waren zwei Hunde, die mich mehrmals attackierten. Ich konnte sie aber, immer wieder damit abwehren, in dem ich so tat, als hebe ich einen Stein auf. Dann glaubte ich, sicher zu sein, dass sie mir nicht mehr folgten und ging weiter. Plötzlich merke ich jedoch, wie mich der Red-River-Mischling, am linken Hosenbein gepackt hatte. Ich drehe mich um und gehe brüllend, mit erhobenen Fäusten, auf ihn zu. Jetzt bekam er einen gehörigen Schrecken und lief davon. Was sagt mir das?  -  „Der tut auch nur dass, wozu er da ist! – Aufpassen und keine Fremden ans Haus lassen!“  -  Doch was lerne ich daraus?  -  Ich brauche einen neuen Wanderstock!
Direkt am Stadtanfang, rechts vor der Hauptstraße, auf der ich morgen nach rechts weiter gehen muss, bekomme ich im „Hotel Meujble Mignon“ ein Zimmer.

das heutige Etappenziel Aosta


Heute waren es 35,7 km, bei stetig besser werdendem Wetter, je weiter ich den Berg herunter kam. Langsam merke ich aber, meine linke Hüfte wieder. Der rechte Fuß, muss zwar immer noch regelmäßig verbunden werden, aber es heilt gut ab.

Gesamtkilometer bisher: ca. 1.015,2 km

39.Etappe-12.06.2009-Aosta-Saint.Vincent.ca.35km
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rechts das Kloster am Gipfel
alte Zollstation und Grenze nach Italien
Passstrasse und
Lawinenschutz
Fonteinte
Saint Remy
Saint Oyen
Etroubles
Condemine
Chef Lieu
Cre
Aosta