Mittwoch den 10.06.2009


37. Etappe: Von Bourg Saint Pierre zum  „Col du Grand Saint Bernhard“ ca. 12 km

Heute kommt die Stunde der Wahrheit!
12 km - liegen vor mir.  -  Hinauf, zum „Col du Grand Saint Bernhard“.  
Ich will früh los und kann schon um 06.3o Uhr frühstücken. Um 07.oo Uhr bin ich wieder auf der Landstraße. Ich laufe immer, auf der linken Seite, den Autos entgegen. Schon kurz hinter Bourg Saint Pierre beginnt ein Lawinenüberbau über die Straße. Er ist 6 km lang und an der linken Seite, fest an die Felsen gebaut. Auf der rechten Seite, ist er offen und ich kann in das Tal einsehen. Es taucht auch schon bald, ein Staudamm auf, der den bereits bekannten Bach Drance aufstaut.

im Lawinenschutz


Er wird von unten her verstärkt.
Das Laufen, unter dem Lawinenüberbau, ist nicht gerade angenehm. Es geht ständig bergauf. Ich muss jetzt nicht nur 12 km weit laufen, sondern auch einen Höhenunterschied überwinden, von 1.400 m. Gegen 09.oo Uhr, habe ich den Eingang erreicht, wo der Tunnel in den Berg geht. Durch die Lawinenschutzbauten und durch diesen Tunnel, durch den Berg, ist die Passstraße, das ganze Jahr über passierbar.
Hier biege ich allerdings, nach rechts ab, auf die alte Passstraße und erreiche hier bald, die Ski-Station Bourg Saint Bernard.
Die Alm, oberhalb der Ski-Station, gehört zum Kloster, auf dem Pass. Der Pass nennt sich, „Alpage de la Pierre“. An der Ski-Station mache ich eine Pause. Das Lokal ist jedoch, um diese Jahreszeit, nicht bewirtet. Nachdem ich Helga angerufen habe, gehe ich weiter. Im Lawinenschutz-Überbau, hatte ich, da es mir warm geworden war, den Anorak ausgezogen. Hier aber, ist es jetzt sehr kühl geworden und der Schnee, auf dem Berg, kommt immer näher. So ziehe ich den Anorak wieder an und gehe weiter. Der Aufstieg wird steiler und immer schwerer. Nach 2 km und 1 Stunde Laufzeit mache ich eine Pause. - Dann geht’s weiter. - Wieder 1 Stunde.  - Immer steil den Berg hoch.
Hin und wieder, kommt ein Auto, oder ein Motorrad.
Der Alpenexpress wurde hier, durch Busse ersetzt, die mich hier alle überholen. Die ganze Werbung, in den Kiosken um Bourg Saint Pierre, ist geprägt, durch den Bernhardinerhund. So sind auch der Alpenexpress und die Busse rot und mit einem großen Bernhardinerhund bemalt.
Sehr schön, das Ganze.
An einem Entlüftungsschacht, des Saint Bernhardtunnel, der unter mir, durch den Berg geht, mache ich wieder eine Pause. An den fahrenden Autos, kann ich den weiteren Verlauf der Straße sehen und weiß dann, wo ich noch hoch muss. Es geht in schwindelnde Höhen hinauf. Ich laufe hier, im Hochgebirge, wo schon recht lange, die Baumgrenze hinter mir liegt. Rechts und links von mir, liegen noch dicke Schneefelder und es ist sehr kalt, hier oben.
Noch etwa 1 bis 2 km, auf steilen Straßenrampen, die man hier, in den Fels gehauen hat, dann habe ich den Pass erreicht. Zwischendurch treffe ich 2 deutsche Motorradfahrer. Nach einem kurzen Schwätzchen und ein paar Fotos, gehe ich weiter. Dann taucht links, am Berg, im Schnee, endlich das Gipfelkreuz auf. Rechts von mir, am Steilhang, stehen mehrere Steinhütten und ein Kreuz. Dann tauchen, hinter der nächsten Biegung, die Gebäude, der Passhöhe auf.
Ich habe es endlich geschafft!

das Gipfelkreuz und Willi


Ich bin auf den „Col du Saint Bernhard“, am höchsten Punkt, meiner Pilgerreise, angelangt!
Links, das erste Gebäude, ist ein Restaurant mit Kiosk. Das nächste Gebäude, ist das Hospiz. Es wurde im 11. Jh. vom hl. Sankt Bernhard gegründet, um Pilgern zu helfen und Unterkunft zu gewähren, die hier über den Pass kamen. Dieses Gebäude ist zweigeteilt. Auf der linken Seite, befindet sich das „Hospize du Grand Saint Bernhard“. Es wird von den Augustiner-Chorherren und freiwilligen Helfern, bewirtschaftet. Auf der rechten Seite, gibt es das „Hotel  de Hospize“, mit einem kleinem Supermarkt und Kiosk. Beide Gebäude, sind durch eine Gebäudebrücke, über der Straße, verbunden.
Ich gehe, zwischen den beiden Häusern hindurch, in einen Hochtalkessel. Hier sehe ich, auf der linken Seite, einen Bergsee, der bis auf eine kleine Fläche, noch zugefroren ist. Er wird umrahmt, von schneebedeckten Berggipfeln.
Hinter dem See, stehen die Pass-Gebäude, auf der italienischen Seite und die Statue, des Bischofs von Aorta, aus dem 11. Jh. des hl. Sankt Bernhard, dem Gründer des Hospizes.
Im See steht dann ein Kreuz. Auf der rechten Seite, sind noch Hinterlassenschaften der Römer zu sehen.
Die Sonne scheint, aber es ist furchtbar kalt, hier oben. Es weht, ein eiskalter Wind, um die Ecken. Im Hospize bekomme ich ein Bett. Meinen Pilgerbrief, brauche ich dafür eigentlich nicht, doch die Chorherren schauen ihn, sehr interessiert an. Zumal er ja auch, in lateinischer Sprache geschrieben ist.
Das Hospiz-Gebäude ist sehr groß, aber auch im Inneren, sehr kalt. Bevor ich aber mein Bett bekomme, muss ich, da es um die Mittagszeit ist und nachdem ich den Begrüßungstee getrunken habe, noch mit den Chorherren in die Krypta zum Mittagsgebet.
Dann bekomme ich meine Anweisungen:
1.)  18.15 Uhr,  -  Abendmesse.
2.)  19.15 Uhr,  -  gemeinsames Abendessen.
3.)  20.45 Uhr,  -  Abendgebet, in der Krypta.
4.)  22.oo Uhr,  - Bettruhe und Licht aus.
Alles freiwillig!  -  So sagt man mir und schaut mich dabei, mit eindringlichen Blicken an.
Es macht mir jedoch nichts aus, hier mitbeteiligt zu werden, denn letztendlich bin ich in einem Kloster und Pilger. Nachdem ich alles erledigt habe und mein Bett bezogen habe, lege ich mich ins Bett. Einfach, weil es mir sehr kalt ist und schlafe erstmal, bis 16.oo Uhr.
Es war heute, ein sehr schwerer Tag. Ich bin erschöpft! Die Steigung und die Kälte, die ich so nicht mehr gewohnt bin, haben mir meine Grenzen gezeigt. Auch wenn es „nur 16 km“ waren. Hier war die Überwindung des Höhenunterschieds von 1.400 m ausschlaggebend. Ich befinde mich nun schließlich auf einer Höhe von 2.469 m.
Das Hospiz wird von 4 Chorherren und vielen, freiwilligen Helfern geführt, die wie auch in Saint Maurice, nur für Essen und Übernachtung, hier Monate lang, Dienst tun. Ohne diese Freiwilligen, wäre es nicht möglich, den Betrieb des Hauses weiterzuführen, sagt mir einer, der Chorherren. Abends, beim Essen, sagt eine Frau mir, (Sie ist Ärztin und macht hier freiwillig die Empfangsdame) dass es hier oben nicht wärmer wird, als 16° C. Im Sommer würden daher viele Menschen, aus Aosta hochkommen, weil es hier schon kühl ist. Sie ist schon über ein ½ Jahr hier oben. Der Schnee würde hier, im Winter, 8 m bis 12 m hoch liegen.
Das Abendessen nehme ich zusammen, mit allen Helfern ein. Auch hier ist es eine schöne und fröhliche Runde. Alle sind freundlich, nett und hilfsbereit. Es war ein schönes und unvergessliches Erlebnis, hier oben, in diesem Kloster!

Morgen gehe ich über den Pass,  -  nach Italien.


Gesamtkilometer bisher: ca. 979,5 km

38.Etappe-11.06.2009-Col-du-Grant-Saint.Bernhard-Aosta.ca.35,7km
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Der Bernhardino Express
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im Kloster, mein Bett, das Museum, die Krypta
Der Tagesplan für alle. Auch für mich!
Im Kloster
Heute habe ich den höchsten Punkt meines Pilgerweges erreicht.