Dienstag den 09.06.2009


36. Etappe: Von Orsieres nach Bourg Saint Pierre: ca. 14 km
    
Gestern hat es nur noch leicht getröpfelt. Heute dagegen, regnet es richtig. Trotz Regen, gehe ich gegen 07.3o Uhr aus dem Haus. Ich mache mich auf den Weg, hinauf zum Col.
Beim Hotelier, habe ich mich über den Weg erkundigt und er schickte mich dann, auf einen angeblich problemlosen Weg. So wandere ich also, recht zuversichtlich, durch leichtem Dauerregen los. Es dauert nicht lange und ich laufe durch einen Wald. Der Weg schlängelt sich, zuerst recht leicht, aber dann, immer steiler werdend, den Berg hinauf. Nachdem ich dann, so richtig schön, hoch oben bin, geht der weitere Weg, durch die Dörfer Montatuay und Fornex. Anschließend geht es wieder in den Wald, wo ich von einem Wegweiser, zum Fluss Drance gewiesen werde.
Dieser Weg ist jedoch nur ein Pfad, der wirklich so schmal ist, dass zwei Füße, nicht nebeneinander passen. Er verläuft direkt, an einem steilen Hang entlang  und ist nicht ungefährlich. Wenn man hier abrutschen würde, dann ginge es gleich, etwa hundert Meter hinunter. Auf diesem Pfad geht es also nun hinunter. Er verläuft teilweise, über Almwiesen und teilweise, durch den Wald. Unter mir, höre ich einen Wasserfall, wo die Wassermassen, den Berg hinab stürzen.
Ich gehe bis zu diesem Bergbach, der hier, vom Berg direkt hinab stürzt und muss diesen dann, auf einem primitiven Holzsteg überqueren.
Nachdem ich dann diesen Bach überquert habe, muss ich wirklich, auf Händen und Füssen, ein Stück, den gegenüber liegenden Hang, hoch krabbeln, da hier, der Berg etwas abgerutscht war.
Anschließend geht es noch, ein gutes Stück, so weiter. Dann mündet der Weg auf einen breiten Waldweg, der dann in eine Asphaltstraße übergeht. Bald erreiche ich dann den Ort, der den gleichen Namen trägt, wie der Bergbach, - „Drance“. Hier lege ich nun zu erst einmal eine Pause ein. Dann ziehe ich aber weiter, ins nächste Dorf. Es liegt auf der anderen Seite des Tales und ist über eine Serpentine zu erreichen. In Liddes angekommen, kaufe ich eine Flasche Wasser und mache dann, am Ortsende, eine Pause. Es ist an der Zeit und ich melde mich bei Meiner Helga.  -  Es tut einfach gut, ihre Stimme zu hören. Es gibt mir wieder neuen Schwung und neue Kraft. - Dann ziehe ich weiter, in Richtung Bourg Saint Peíerre.
Als ich vorhin, da oben im Berg hing und über die gefährlichen Passagen, dieses Bergpfades ging, konnte ich immer eine Landstraße sehen, die sich unten, durch das Tal, leicht nach oben, dahin zog. Da habe ich mich gefragt: „Wieso läufst du eigentlich hier oben, in diesem unwegsamen Gelände? Da unten, ist eine schöne, sich nur leicht, nach oben ziehende, Straße!“
Nun bin ich also wieder, auf einer Landstraße, unterwegs. Einen Straßen-Tunnel, der plötzlich vor mir auftauchte, umgehe ich, auf einer alten Pass-Straße. Dann laufe ich weiter, auf dieser Straße, bis kurz vor Bourg Saint Pierre.
Hier zeigt mir, der Pilgerweg Via Francigena den Weg. Es geht nun nach links, von der Straße weg und durch die Wiesen. So folge ich der Via Francigena und muss doch tatsächlich, einen Elektro- Zaun übersteigen. Hier werde ich natürlich sofort, von den neugierigen Rindern, bestaunt. Die können ja nicht wissen, dass ich gewaltigen Respekt, vor Rindviechern habe.  -  „Ich wurde, als kleiner Junge, mal von einer Kuh angegriffen, die wir zusammen, mit noch anderen Kühen, zusammen getrieben hatten. Alle Kühe brachen aus. Meine Kameraden, liefen alle weg. Nur ich und eine Kuh blieben übrig. Wie sich später heraus stellte, hatte diese Kuh, schon mehrmals Menschen, im Stall angefallen. Nun, - die Kuh kommt auf mich zu. Ich hatte nur, eine selbst gebastelte Peitsche, um mich zu wehren. Diese ging allerdings, beim ersten Angriff der Kuh, zu Bruch. Nun stand ich quasi wehrlos, vor dieser Kuh, als sie mich dann ein weiteres Mal angriff. In meiner Not, griff ich ihre Hörner und hielt mich daran fest. So schlug sie mich, auf ihren Rücken und wieder zurück. Ich war damals, ja noch ein kleines Kerlchen. Beim nächsten Mal, als ich wieder unten war, lies ich los und lag nun, zwischen ihren Vorderbeinen. Meine Kameraden waren zurück gekommen und bewarfen nun die Kuh, aus sicherer Entfernung, mit Steinen. So lies die Kuh, dann von mir ab, und entfernte sich. Seit dieser Zeit, habe ich großen Respekt vor diesen großen Tieren“.
So,  -  und nun standen diese Kühe vor mir und streckten ihre Hälse, um an mir zu riechen. Ich gehe dann, zur Vorsicht, rückwärts weiter hoch. Doch die Wiese, wo ich da rüber musste, war in Hanglage, und sehr steil. Die Kühe haben dann aber sicher gemerkt, dass ich nicht der Almhöhi war. Sie ließen mich dann in Ruhe und ich konnte weiter gehen. Dann musste ich allerdings erneut einen Elektrozaun übersteigen. Als nächstes, auf allen Vieren, eine Böschung hoch krabbeln und dann, erreiche ich, über einen weiten Umweg, endlich Bourg Saint Pierre.
Wäre ich, auf der Landstraße geblieben und dort weiter gegangen, wäre ich nach ein paar Minuten schon dort gewesen. So dauerte diese ganze Sache ca. 45 Minuten. Wenn mich, bei dieser Aktion, ein paar Einheimische beobachtet hätten, dann hätten sie garantiert gesagt: „Schau ihn dir an, diesen Flachländer. - Es ist nicht zu glauben!“ Doch Gott sei Dank, haben das ja nur die Kühe gesehen!
Da es nun immer noch, einige Kilometer, bis zum Pass sind, beschließe ich, heute hier zu bleiben und übernachte, im Hotel du Cret, im Matratzenlager. Für meine Gefühle, war das aber, ein Massenquartier. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Es ist wohl sicher eine Unterkunft, von wo aus Bergsteiger ihre Touren beginnen, oder zwischen übernachten.

Pfarrkirche von Bourg Saint Pierre, Hotel, Bettenlager.


Im Hotel, esse ich zu Abend und gehe dann in die Koje. Morgen wird es sicher noch einmal richtig hart werden. Heute waren es 14 schwere km. Immer steil den Berg hinauf, aber bei relativ gutem Wetter. Nun ist es jedoch, hier in dieser Höhe, schon sehr kalt geworden.
Gesamtkilometer bisher: ca. 967,5 km

37.Etappe-10.06.2009-Bourg.Saint.Pierre-zur-Passhoehe.2469m.ca.12km
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Berghütte bei Drance
Bergpfad zur Drance
Drance
Liddes
sie staunten über das zweibeinige Rindvieh was da durch die Wiese stampft.
Bourg Saint Pierre