Mittwoch den 03.06.2009


30. Etappe: Von Sonceboz nach Kappeln ca. 31 km

Um 07.oo Uhr bin ich heute bereits aus dem Haus und wieder auf dem Weg. Das Motel liegt ca. 1 km über Sonceboz. Es ist klarer, blauer Himmel, aber kalt. Es ist richtig kalt, nur 8 ° C, denn die Sonne, scheint noch nicht ins Tal. Ich friere, in meinem T-Shirt und in kurzer Hose.
Im Dorf, setze ich den Rucksack auf einer Bank ab und ziehe meinen Anorak an. So ist es jetzt besser.
In Sonceboz gehe ich nach links, ins nächste Tal. Hier muss ich durch ein Felsentor gehen, durch dass auch der Verkehr rollt. Nun sehe ich vor mir, das Tal, durch dass ich wandern muss, um an den Bielersee zu gelangen. Rechts neben mir, läuft der Bach und auch die Schienen, der Bahn, verlaufen dort.  -  Solange es keine Zahnradbahn ist, bin ich beruhigt, dass es nicht zu steil wird.
Es kann aber auch trügerisch sein, denn „Die Schweizer“ haben nicht nur Löcher in den Käse, sondern auch in die Felsen gebohrt, durch die dann Züge und Autos fahren können.   -   Sie sind ja nicht dumm,  -  „Die Schweizer“,  -  denn sie haben ja auch „RICCOLA“ erfunden.  -  Ja, - Ja,   -   „Die Schweizer“.
Doch es geht alles gut und ich kann die schöne Bergwelt, von unten bewundern. So gehe ich, froh gemuht weiter, bis vor Pery. Ich durchquere noch den Ort Heutte, der toll beflaggt ist. Ich folge dann dem Schild: „Biel / Bienne“ und stehe dann plötzlich vor einem Verbotsschild, für Fußgänger. Radfahrer dagegen, dürfen weiter fahren. Das soll einer verstehen!
Ich nehme zuerst einmal meinen Rucksack ab, denn mittlerweile ist es so warm geworden, dass ich schwitze. Dazu hänge ich meinen Wanderstock, an einen Zaun, der gerade dort steht. Wenn ihn niemand gefunden hat, was ohne weiteres möglich ist, dann hängt er jetzt leider immer noch da, denn ich habe ihn aus Versehen dort hängen lassen.
Das habe ich aber leider erst nach über einer Stunde bemerkt. Ich war dann schon zu weit weg, um zurück zu laufen.
Nachdem ich nun die Jacke im Rucksack verstaut habe, ziehe ich weiter, durch Pery und biege dann nach rechts ab, in das Tal, durch welches ich nach Biel geführt werde.
Hier, an diesem Abzweig, gibt es wieder eine Reihe von Brücken und Straßen, mit nur wenigen Hinweisschildern, durch die ich mich erst einmal durchkämpfen muss, bis ich auf dem rechten Pfad bin.
Hier fällt mir dann auch erst auf, dass ich meinen Wanderstock nicht mehr dabei habe. Es wären ca. 5 km die ich hätte zurück müssen. Ich habe schon umgedreht und will zurück, doch es wären dann ja ca. 10 km geworden, bis ich dann wieder hier wäre.
Dann überlege ich weiter: „Ich laufe viel auf den Landstraßen, auf denen der Fahrradweg abgetrennt ist, durch eine gelbe Linie. Da ich den Stock nur einsetze, wenn es in den Bergen schwierig wird, trage ich ihn immer so, dass er parallel zur Straße zeigt. Durch Seitenwind, wird er dann auch schon mal quer geweht. Dabei könnte es passieren, dass ein Radfahrer stürzt. So bin ich einesteils froh, dass er weg ist. Natürlich ist es auch sehr schade, da er mich auf beiden Jakobswegen begleitet hat“.
So entscheide ich, dass er dort, wo er jetzt hängt, hängen bleiben soll. Ich gehe also weiter und laufe nun, zwischen den hohen Bergen des Schweizer Jura, die sich imposant, rechts und links von mir, erheben. Rechts und links die Felsen, dann tiefe Schluchten, in denen sich die Dörfer in die Landschaft einfügen. Der Weg führt mich jetzt auch durch Tunnels, immer direkt auf der Fahrbahn. Nach einigen Stunden, ist jedoch diese Tortur zu ende und ich habe Biel vor mir. Ein großes Schild, an der Straße sagt mir, dass ich hier den Jura verlasse.
Biel / Bienne. Hier sind alle Namen zweisprachig. Biel ist eine große Stadt. Darum schreibe ich mir, von einem Stadtplan, die genaue Wegführung auf, damit ich so schnell wie möglich, wieder aus dieser Stadt heraus bin.
Da ich noch kein Frühstück hatte und es jetzt schon Mittagszeit ist, esse ich, in der Stadt, eine Pizza. Nachdem ich gegessen habe, gehe ich weiter und bin schnell auf der anderen Seite, der Stadt und am Bieler See.
Nidau heißt der Vorort, durch den ich jetzt gehe. Den See habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Erst als ich aus Nidau heraus bin, dann Belmond erreicht  habe und über den ersten Hügel gelaufen bin, sehe ich den Bieler See.
Den Jura habe ich durchlaufen und musste eigentlich nur über den Pass, hinter Tavannes steigen. Sonst war alles weitgehend flach.
Nun bin ich da raus und nun laufe ich hier, durch eine Hügellandschaft. Es ist wieder heiß geworden und die Sonne brennt. Ich ziehe durch einige Dörfer und nutze jeden Schatten, den ich kriegen kann. Dann passiert es: Ich stehe in einer Kirschenplantage und werde beim Mundraub erwischt. Ich habe aber Glück. Der Besitzer fordert mich auf, soviel zu essen, wie ich mag.
So komme ich dann bald nach Kappelen. An einem B&B - Haus gehe ich vorbei, weil mir das noch unbekannt ist. Ich gehe weiter, nach Aarberg. Hier gibt es wieder keine Möglichkeit ein Zimmer zu bekommen. Das Hotel am Platz ist belegt. Die Wirtin schickt mich zu einer Bed & Breakfast Einrichtung, im Dorf. Auch hier habe ich Pech. Die Frau, die dieses Haus führt, bittet mich aber herein und gibt mir etwas zu trinken.
Ich hole nun, aus meinem Rucksack den Pilgerbrief hervor, den der Regionaldekan Otto von Danwitz mir, in St. Anna, in Düren, ausgestellt hat. Ich bin hier in einer Gegend, wo man Bernerdeutsch spricht. Ich zeige meinen Pilgerbrief.

der Bielersee/Aarberg / Kappeln


Danach sagt sie: „Warten Sie einen Augenblick. Ich versuche mal etwas“. Ich höre, wie sie mehrere Anrufe tätigt und dann zu mir kommt und mir die Adresse einer Fam. Gfeller, in Kappelen gibt, wo ich dann ein schönes, privates Zimmer bekomme.
Frau Gfeller ist sehr nett und wäscht mir sogar, mit der Waschmaschine, meine Sachen.
Schade dass ich heute meinen Wanderstock verloren habe. Ansonsten war es ein schöner Tag. Ich hätte aber nicht gedacht, dass man in der Schweiz Glück haben muss, um ein Zimmer zu bekommen.    -    31 km waren es heute.

Gesamtkilometer bisher: 780,5 km

31.Etappe-04.06.2009-Kappeln-Avenches.ca.35km
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Sonceboz
La Heutte
Pery
Hier vor Pery, habe ich leider meinen Wanderstock vergessen und an einem Zaun hängen lassen. Leider deswegen, weil ich diesen Wanderstock schon 2 x mit auf dem Jakobsweg dabei hatte.
Tunnel hinter Pery
hinter diesem Tunnel, schon wieder auf dem Weg ins Gebirge des Jura, über 1 Std. und über 5 km von dem Ort entfernt, an dem ich meinen Wanderstock stehen gelassen habe, bemerkte ich das.
Biel
Burg in Nidau
Kanal zum Bieler See
Bellmund
St. Niklaus
Es gestaltete sich von Beginn an schwierig, in der Schweiz ein Zimmer zu finden. Hier half mir zum ersten Mal mein Pilgerbrief, der mir vom Regionaldekan
H.O. von Danwitz ausgestellt wurde.