Pfingst-Montag den 01.06.2009


28. Etappe: Von Aesch nach Delemont ca. 32 km

Heute ziehen dunkle, bedrohliche Wolken, am Himmel entlang. Es ist aber warm. Ich lasse also meinen Rucksack und die Gitarre so, wie ich sie gestern noch gepackt habe. Sollte es anfangen zu regnen, habe ich schnell die Schutzhüllen darüber gezogen. Alles andere, im Rucksack, ist sowieso, (nachdem ich auf der 2. Etappe, zwischen Nideggen und Heimbach nass geworden bin) immer wasserdicht, in Kunststoffbeutel verpackt.
Um 07.3o Uhr kann ich zum Frühstück. Zuerst bin ich alleine im Raum. Dann gesellt sich noch ein weiterer Gast dazu. Dann kommt auch der Hotelier und will wissen wo ich hin möchte. Nach der Beantwortung, der inzwischen üblichen Fragen, möchte ich gerne von ihm wissen, wie die Berge einzuschätzen und zu gehen sind, die noch bis zum Pass, vor mir liegen. Er selbst, stammt aus Martigny. Er meint, dass sich bis Martigny die Steigung und die Berge noch in Grenzen halten. Aber der „Schweizer Jura“ sei auch nicht ohne.
Hier müsse ich als nächstes durch. Dann an den Seen entlang, bis nach Lausanne, geht es eigentlich recht gut, bis nach Martigny. Die restlichen 30 km, bis zum Pass, sind dann wohl, wie er sagt:  „Sehr speziell!“ Wie speziell, das werde ich noch erleben.
Mit meinem Wissen über das, was jetzt vor mir liegt, verlasse ich, gegen 08.oo Uhr, das Hotel und marschiere in Richtung Delemont, zur Jugendherberge. Der kühle Wind, der mir hier um die Nase pfeift, ist angenehm und unterstützt mich, beim wandern.
Heute bin ich richtig gut drauf!  -  Meine rechte Hüfte, die mir in den letzten Tagen, ziemlichen Ärger gemacht hat, lässt mich in Ruhe. Mein rechter Fuß schmerzt, nach dem Einlaufen, auch nicht mehr. So bin ich wohlgemut und wandere in die Schweizer Bergwelt hinein.
Ich gehe am Fluss Laufer entlang, durch das Laufertal. Der Fluss kommt mir entgegen. Das sagt mir, dass ich mal mehr, mal weniger, bergauf gehe. Ich ereiche die Orte Duggingen, Grellingen und Zwingen, wo ich dann eine Rast einlege.
Ich habe jetzt schon ca. 12 km hinter mir. Hier rufe ich dann auch wieder meine Olle an, die zurzeit, zusammen mit Manuela, in Holland ist. Sie sind gestern noch, dorthin gefahren und werden bis zum Wochenende dort bleiben. Danach geht es weiter, bis nach Laufer.
Dieses Städtchen muss ich mir ansehen. Ich gehe zunächst über den Fluss Laufer. Danach durch das Stadttor und stehe direkt, mitten in der schönen Altstadt. Es ist mittlerweile sonnig und die Menschen sitzen hier, vor den Cafes und Restaurants, in der Sonne. Ich gehe dann weiter und komme, noch in Laufer, an einer schönen, großen Kirche vorbei. Hier muss ich hinein gehen und für „Meine Lieben zu Hause“ ein paar Kerzen anzünden.
Dies mache ich öfters, weil ich weiß, dass zu Hause, am Kamin, für mich eine Kerze brennt, seit ich auf diesem Weg bin. Diese Kerze wird erst dann wieder gelöscht, wenn ich gesund nach Hause zurück gekehrt bin.
Dann muss ich weiter. Ich frage, zur Sicherheit, noch einen Schweizer, nach dem Weg und will dann gleich weiter.   -   Das geht aber nicht so einfach.  -   Ich muss irgendetwas an mir haben, was mich als einen Pilger, der schon lange auf dem Weg ist,  erkennbar macht. Denn ich muss zuerst viele Fragen beantworten, ehe er mich laufen lässt.
Ich bin hier in der französisch sprechenden Schweiz, komme aber mit der deutschen Sprache gut zurecht. Ich muss gestehen, es macht schon Spaß sich mit den Menschen zu unterhalten und ihnen zu erzählen, wo ich her komme und wie viele Kilometer ich schon abgelaufen bin.
Ich ziehe dann aber doch weiter, auf der Landstraße durch das Laufertal. Überall wo ich jetzt durch komme, heißt die Straße „Baseler Straße“. Hier ist grundsätzlich, durch einen gelben, durchgezogenen Strich, ein Radweg auf der Straße markiert. Mit nur wenigen Ausnahmen.
Hier sind viele Radsportler unterwegs, die hier Trainingsfahrten unternehmen. An der Aufmachung und dem Material, sieht man, dass es Profis sind, die hier trainieren. Feststellbar ist aber auch, dass die Schweizer sehr stur sind. Wenn ich nicht zuerst grüße, SIE grüßen nicht.
Hinter Laufer, gehe ich an Liesberg und Bärschwill vorbei. Rechts und links von mir, werde ich von hohen Bergen flankiert. In den Dörfern, an der Laufer entlang, gibt es viel Industrie- und Handwerksbetriebe.  Es gibt Holzverarbeitung, Papierindustrie, und auch Riccola und andere Industriebetriebe sind hier beheimatet. 
(Wer hat’s erfunden?  -  Die Schweizer…    Riccola).
Vor Soyhieres, am Waldrand, steht eine Bank, auf der ich, nach jetzt 3 Stunden Laufzeit, wieder eine Rast machen muss.
Bisher war das Wetter gut. Nachdem sich am Morgen die Wolken verzogen hatten. Doch nun, ziehen sich dunkle Wolken, zu einem Gewitter zusammen. So sehe ich zu, dass ich das Dorf Soyhieres erreiche, um mich notfalls unterstellen zu können. Als ich das Ende des Dorfes erreicht habe, beginnt es zu regnen. Ich kann mich aber noch, in einem Bus-Haltehäuschen unterstellen und abwarten, bis der Regen aufhört. Es ist zum Glück, nur ein kurzer Regenguss und ich kann mich, nach kurzer Zeit, wieder auf die letzten 2,5 km Wegstrecke, bis Delemont machen.
Auf dem Weg, nach Delemont, sehe ich, hoch oben rechts, eine Kirche und darüber, eine Burg-Ruine. Dann kommt schon Delemont in Sicht. Gleich rechts, das erste Haus, ist die Jugendherberge. Die Rezeption ist jedoch noch nicht besetzt. Erst ab 17.oo Uhr.  -  Macht nichts!   -   Ich bin im Trockenen und dann warte ich eben die Stunde, bis zur Anmeldung.
Es war heute ein schöner Wandertag. Ich glaube, ich bin auf den Tag genau, topp fit geworden, für die Überquerung der Alpen. Es fing heute Morgen schon gut an.
Als ich Aesch hinter mir hatte, keine Schmerzen mehr verspürte, da hörte ich, aus den Bergen, die Kuhglocken läuten. Auf dem weiteren Weg, wiederholte sich dies mehrmals, oder es kam von Ziegenglocken. Es ist so, wie man sich, aus den Heidi-Filmen, die Schweiz vorstellt.

bin ich durch das Tal der Laufer gewandert. Immer dem Flusslauf entgegen. Das bedeutet dass ich mich bergwärts bewege. Die Berge werden langsam aber sicher höher.
die Jugendherberge in Delemont ( Schweiz )


Nach der Anmeldung, bei der ich auch schon Abendessen bestellen konnte, bezog ich mein Zimmer, in der Jugendherberge. Nachdem alles Übliche getan war, bin ich noch einmal in den Ort gegangen. Dann war es Zeit, für die Nachtruhe. Morgen geht es in den Jura.
Heute waren es ca. 32 km.


Gesamtkilometer bisher: 712,5 km

29.Etappe-02.06.2009-Delemont-Sonceboz.ca.37km
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Les Riedes-Desous
Burg an der Straße nach Delemont