Dienstag den 26.05.2009


22. Etappe: Von Ebersweier nach Friesenheim ca. 24 km

Gegen 05.oo Uhr werde ich wach, denn es tobt draußen, ein starkes Gewitter, um das alte Gasthaus. Ich drehe mich also noch einmal um und penne noch etwas weiter. Gegen 07.3oUhr bin ich dann allerdings unten und beim Frühstück. Da es immer noch regnet, lasse ich mir viel Zeit und hoffe, dass der Regen bald aufhört. Zwischenzeitlich kommen zwei Streifenpolizisten ins Haus, um zu frühstücken. Das gehört hier, zum täglichen Ritual, wie mir der Wirt erzählt, der einmal Seemann war. Er wird schon wissen, warum er den Beiden das Frühstück spendiert.

Hier haben die Römer auch ihre Spuren hinterlassen.


Als dann der Regen nachlässt, mache ich mich auf den Weg. Mein Weg geht links, an der Kirche vorbei und dann den Berg hinauf, in Richtung Offenburg. Nach etwa 1 1/2 Std. habe ich Offenburg erreicht. Der Regen hat nun ganz aufgehört und die Sonne versucht sich, durch die Wolken zu schieben. Ich wandere um Offenburg herum, in Richtung Ortenburg. Am Stadtrand, von Offenburg, mache ich in einem Bus-Haltehäuschen Pause und rufe zu Hause an. Dann geht es weiter, nach Ortenburg. Hier wollte ich ursprünglich, in der Burg-Jugendherberge eingekehrt sein. Leider war sie, von einer Jugendgruppe belegt. Die Burg ist schon von Weitem zu sehen, da sie ganz oben, auf dem Berg steht.

die Burgherberge über Ortenburg


Mitten im Dorf, beginnt es wieder zu regnen. Ich stelle mich an der Bank, im Dorf unter und wandere dann weiter, sobald es wieder aufhört, zu regnen. Mein Weg geht nun nach rechts weiter, noch bevor ich unterhalb der Burg bin, in Richtung Ebertsweier und dann nach Elgerweier, wo ich dann wieder die B 3 erreiche. Jetzt geht es wieder weiter, in Richtung Süden, immer an der B 3 entlang, nach Hohenberg. Unter einer Brücke, in Niederschopfheim mache ich eine Rast.
Hier gesellt sich ein Radfahrer zu mir. Er behauptet, er komme direkt von Freiburg. Sein Fahrrad, auf dem er unterwegs ist, ist allerdings nicht verkehrssicher und gehört meiner Meinung nach, auf den Schrott. Der Typ, der sich da zu mir setzt, sieht aus als habe er seit Jahren unter Brücken gelebt.
Er ist angeblich Jude und behauptet im KZ gewesen zu sein. Das ist kaum möglich, da er noch nicht so alt ist, dass er zu dieser Zeit gelebt haben könnte. Wenn doch, dann kann er nur als Kleinkind die Zeit erlebt haben. Dann erzählt er mir eine verworrene Geschichte, in der er mit Michael Friedmann und noch weiteren Leuten, gegen Deutschland prozessieren wird. Er rechnet damit, nur für sich eine Entschädigung von 1,8 Millionen EUR. zu bekommen und das in kürzester Zeit. Weiter erzählt er, dass der deutsche Staat ihm schon angeboten habe, dass er in Deutschland keine Steuern mehr zu zahlen brauche. Dadurch sei er Geschäftspartner des Firmeninhabers geworden, der den Eurotunnel unter den Ärmelkanal gebohrt habe. Er behauptet, es gehe ihm daher sehr gut. Er ist ein kleiner, dürrer Kerl, mit schwarzen, stechenden Augen, unter dichten, krausen und schwarzen Augenbrauen.
Er ist unrasiert und an der Stirn ist sein Kopf eingedrückt. Eine Hinterlassenschaft seines KZ-Aufenthalts, wie er weiter behauptet. Er hat nicht nur Dreck unter den Fingernägeln, sondern der ganze Kerl steht vor Dreck und Speck.
Dann behauptet er, unser ehemaliger Außenminister, sei bei einem Unfall ums Leben gekommen. Dies habe er in den Nachrichten gehört. Ich bin froh, als er sich wieder auf seine Rostlaube schwingt und weiter fährt, um seinen 500er Mercedes aus der Werkstatt abzuholen, wie er behauptet.
Ich hatte die ganze Zeit meinen Wanderstock in der Hand.

Immer wieder Wegkreuze und Heiligenfiguren am Wegesrand.


Ich ziehe dann auch weiter. Mein Weg führt mich nach Oberschopfheim. Hier holt mich das Gewitter wieder ein, welsches mich seit geraumer Zeit, an meiner rechten Seite, begleitet hat. Ich setze mich, solange es nun regnet, in eine Kneipe. Doch schon bald kann ich wieder weiter gehen. Am Ortsende beginnt es jedoch wieder stärker zu regnen. Da es nicht mehr weit ist, bis Friesenheim, gehe ich jetzt, trotz des Regens, weiter. Ich versuche, in Lahr, eine Unterkunft zu bekommen. Dazu stelle ich mich in einem ALDI-Markt unter und telefoniere. Ich muss dann allerdings zurück gehen, nach Friesenheim, da ich nur dort ein Zimmer bekomme.
Bei wechselhaftem Wetter, mal Regen, mal Sonnenschein, habe ich heute 24 km zurückgelegt. Es war allerdings sehr warm. Im „Gasthof Zum Ochsen“ bekomme ich ein Zimmer. Wie jeden Tag, erst duschen, Wunden neu verbinden, etwas ausruhen und dann durch den Ort streifen. Dann Abendessen und nachdem ich das Tagebuch geschrieben habe und mich ausgiebig mit meiner Ollen, über den vergangenen Tag, unterhalten habe, ab ins Bett. Am anderen Tag wartet die Landstraße wieder auf mich. Dann muss ich fit sein.
Gesamtkilometer bisher: 545 km

23.Etappe-27.05.2009-Friesenheim-Kenzingen.ca.27km
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hinter Ebersweier, am Wegkreuz, gehe ich geradeaus weiter
Ortenburg / die Burgherberge
Elgersweier, Hohenberg, Nieder- und Oberschopfheim
 
Überall an den Ortsaus- und Eingängen stehen Kreuze und Figuren. Sogar in Vorgärten kann man sie bewundern.
Überall an den Ortsaus- und Eingängen stehen Kreuze und Figuren. Sogar in Vorgärten kann man sie bewundern
Mein Hotel in Friesenheim