Dienstag den 19.05.2009


15. Etappe:  Von Mölschbach nach Eußerthal ca. 28 km

Kurz vor 07.oo Uhr, gibt es Frühstück. So kann ich schon, um 07.15 Uhr, meinen Weg, in Richtung  - ROM -  fortsetzen.
Vor nicht allzu langer Zeit, hat hier im Dorf, ein Tante-Emma-Laden, entgegen dem allgemeinen Trend,  NEU eröffnet. Er hat jetzt schon geöffnet, so dass ich mich dort, mit einer großen Flasche Cola, (mein Dopingmittel) eindecken kann.
Dann geht mein Weg weiter, immer den Berg hinauf. Da ich schon nach kurzer Zeit anfange zu schwitzen, muss ich meinen Anorak ausziehen. Es geht noch weiter bergauf, bis ich dann endlich die Höhe überschreiten kann und an der nächsten Kreuzung, die B 48 erreiche. Hier biege ich nach rechts ab, in Richtung Bad Bergzabern. Ich gehe ab jetzt auf einem Waldweg, immer in Sichtweite der B 48. Auf dem weichen Waldboden lässt es sich gut laufen. Die Wanderwege sind hier nicht besonders gut gekennzeichnet. So versuche ich immer so zu gehen, dass ich die B 48 im Blick habe. Wenn ich sie mal nicht sehen kann, versuche ich mich an den Fahrgeräuschen, der Autos, zu orientieren. So erreiche ich, gegen 10.oo Uhr, den Ort  Johanniskreuz.
Hier mache ich nun meine erste Pause, denn ich habe bereits 14 km hinter mich gelassen. Ich rufe auch meine Olle an und höre mir gerne, ihre sicherlich gutgemeinten Ratschläge an. Ich weiß ja, dass sie sich Sorgen um mich macht. Nach einer ½ Stunde ziehe ich, auf meinem Waldweg weiter, immer rechts, an der B 48 entlang.
Seit Kaiserslautern laufe ich durch ausgedehnte Wälder, mal Mischwald, mal Laub- oder Nadelwald. Ich befinde mich, im   -   „Naturreservat Pfälzerwald“.
Ich wandere hier auf Hohlwegen, die von den Bäumen so dicht gesäumt sind, dass die Sonne kaum durchscheint. Dann geht es wieder weiter, durch etwas lichteren Laubwald. Immer noch auf Waldpfaden daher. Diese sind, durch hochstehende Wurzeln, oft sehr holprig. Teilweise laufe ich auch auf breiten Sandpisten, auf denen es sich dann wieder gut gehen lässt. Hin und wieder, muss ich auch direkt auf der B 48, über Asphalt laufen. Der Asphalt ist zwar schön eben und hier stolpert man nicht so. Doch die Härte der Straße, geht in die Beine. So versuche ich immer wieder, so schnell als möglich, von der Straße herunter und auf parallel zu ihr verlaufenden Waldwegen zu kommen.
Wenn ich links, auf der Straße laufe, sind weder die PKW noch die LKWs ein Problem. Den LKW weiche ich grundsätzlich auf den Grünstreifen aus. Ich bekomme jedoch ein ungutes Gefühl, wenn ich schon von Weitem, die Motorradfahrer höre. Wenn das dumpfe blubbern, der in moderater Geschwindigkeit, daher kommenden Shopper zu hören ist bin ich nicht beunruhigt. Wenn jedoch schon von Weitem, das Aufheulen der schweren Maschinen zu hören ist und wenn sie dann auch noch von hinten kommen, dann beschleicht mich ein sehr ungutes Gefühl.
Die vielen Wegkreuze, an welchen ich vorübergehe, zeugen von der Gefahr, die durch diese rasenden Motorradfahrer erzeugt wird. Auf vielen Teilstrecken wird auch vor Steinschlag gewarnt. Es könnten auch Tiere auf der Straße sein u.v.m. Nicht auszudenken, was alles passieren kann.
Es ist bedrückend, an einem Wegkreuz zustehen und zu lesen, wie jung diese Menschen waren, die hier mit ihren Maschinen abgehoben haben. So sehe ich immer zu, dass ich so schnell wie möglich, wieder von der Straße weg und auf die sicheren Waldwege komme.
So komme ich bald auf den Europäischen Fernwanderweg „Nordsee - Rhein - Main - Donau und Karpaten“. Ich wandere ein langes Stück auf ihm. Er führt immer, an der linken Seite, der B 48 entlang.   -   Dann geschieht es!     
Es geht unmerklich, immer leicht bergauf und ich bewege mich oberhalb der B 48. Dann ist die Straße nicht mehr zu sehen. Nur noch die Geräusche der Autos und Bikes sind zu hören. Doch dann sind auch diese nicht mehr zu hören und ich bin mitten im Wald.
Der Weg ist jedoch schön breit und so laufe ich, auf ihm, viele Stunden durch den Wald. Irgendwann gelange ich dann zu einem Ausflugslokal, mit dem Namen Taubensuhl“.Hier stehen 10 große Busse, mit Gästen von verschiedenen Kaffeefahrten.
Hier frage ich erst einmal die Busfahrer nach dem Weg.  Von der B 48 bin ich Meilenweit entfernt und habe hier die B 505 erreicht. Um wieder in die richtige Richtung zu kommen, frage ich einen Förster, der gerade mit seinem Auto, die Straße entlang kommt. Danach gehe ich, nach etwa 3 km nach rechts, auf einem schmalen Pfad, immer den Berg hinunter, in Richtung Eußerthal. Es geht dann noch ca. 5 km steil bergab. Im Tal komme ich an der Dorrenthaler-Hütte aus. Hier mache ich noch einmal eine Pause. Ich trinke den Rest aus meiner Flasche und gehe dann weiter.
Wenn ich ehrlich bin, ich wusste überhaupt nicht mehr, wo ich war. Einfach meinem Gefühl folgend, gehe ich nach rechts und denke mir, wenn ich so den Stand der Sonne sehe, muss es rechts nach Süden gehen. Ich gehe nun auf einer breiten Sandpiste, auf der auch Autos fahren, in der Hoffnung, Eußerthal zu erreichen. Glück gehabt! Irgendwann taucht tatsächlich das Ortsschild Eußerthal auf.
Das erste Haus, auf der rechten Seite, ist ein großes Restaurant mit Fremdenzimmer.   Klasse! Leider steht hier ein großes Schild, auf der Einfahrt Heute Ruhetag“.
Ein Rollstuhlfahrer kommt zu mir und klärt mich auf. Er sagt: „Hier gibt es keinen Bäcker, keinen Metzger und keinen Laden“. Hier irrt der Mann jedoch, wie sich zum Ende hin herausstellt. Ich gehe also weiter, die Dorfstraße entlang. Dann das nächste Lokal, mit Fremdenzimmer. Aber im Fenster ein Schild: „Wegen Krankheit geschlossen“.Das nächste Lokal, das folgt, ist nicht in Betrieb. Jetzt frage ich 2 Frauen, die des Weges kommen, nach Übernachtungsmöglichkeiten.
Sie erklären mir den Weg, zu einem Lokal, wo es eine Möglichkeit geben soll. Ich gehe dort hin. Auch Fehlanzeige. Dort frage ich dann erneut eine Frau und diese erklärt mir dann auch den Weg. Leider sind von einer Reisegruppe, aus England, alle Zimmer belegt. So langsam macht sich eine gewisse Verzweiflung in mir breit. Ich bin total fertig. Dazu ist es auch noch sehr warm und meine Füße brennen.
Ich habe aber Glück!  -  Die Wirtsleute erklären mir den Weg, zu einer Pension, in der ich dann auch endlich ein Zimmer bekomme. Dazu muss ich aber wieder das ganze Dorf, in seiner vollen Breite durchlaufen. Es geht nach rechts, an der katholischen Kirche vorbei, bis zum Dorfbrunnen und dann, auf der linken Seite, taucht dann auf dem Hof, der Eingang zur Pension auf. Schon von Weitem sehe ich den Aushang, im Fenster „Zimmer frei“. Ich gehe also frohen Mutes zum Eingang der Pension. Ich klingele.  -  Es rührt sich nichts.  -  Ich klingele noch einmal.  -  Es rührt sich noch immer nichts.
Gleich kommt mir wieder die Oma in den Sinn. (Helga´s Mutter) Ob die mich wieder ärgern will, weil sie meint, ich hätte Helga verlassen? Ich verdränge aber diesen Gedanken und schaue mich in der Nachbarschaft um.
Ich klingele einfach irgendwo und frage freundlich nach, ob die Pension geschlossen sei? Die Frau, welche mir öffnet, verneint meine Frage und füllt mir meine Wasserflasche. Sie ist der Meinung, dass Frau Dindons, der die Pension gehört, auf jeden Fall nicht weit sein könne. Höchstens bei der Tochter.  Sie kennt aber die Telefonnummer der Tochter nicht.
Rechts, neben der Pension, befindet sich eine Bäckerei. Leider für heute, schon ab 12.oo Uhr geschlossen. Hunger habe ich natürlich auch, da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen habe. Ich bin es jetzt satt! Neben der Eingangstür der Pension, steht eine Bank. Auf diese Bank setze ich mich jetzt hin und gehe keinen Schritt mehr. Ich warte dann eben auf
Frau Dindons. Irgendwann muss sie ja wieder nach Hause kommen. Ich ziehe mir die Schuhe aus und muss gut aufpassen, dass ich nicht einpenne. Den Hunger stille ich mit dem Wasser, aus meiner frisch gefüllten Flasche.
Dann kommt auch Frau Dindons und ich bekomme mein Zimmer, aber ohne Frühstück. Sie erklärt mir: „Im Laden, nebenan gibt es schon ab 06.oo Uhr in der Früh Frühstück“.
Nachdem ich nun ca. 2 Std. kreuz und quer durch dieses Dorf geirrt bin, mich dann schließlich nicht mehr von dieser Bank hier gerührt habe, habe ich dann um 18.oo Uhr mein Zimmer und sogar noch etwas zu Essen bekommen.
Nun kann ich nicht sagen, dass dies heute ein glücklicher Tag war. Aber ein lehrreicher Tag war es allemal, der dann aber doch noch nach 28 km Laufstrecke gut endete.
Als ich meine Olle anrufe, ist sie froh, dass ich ein Bett zum schlafen bekommen habe. Sie regt sich immer gleich mehr auf, als ich.  - Was lernen wir daraus?  -  Ich darf ihr nicht alles sagen.  -  Um 21.3o Uhr, ist Bettruhe angesagt.
Meine Beine sind oK. Auch der rechte Fuß geht noch, macht mir aber zusehends mehr Probleme. Er muss gut versorgt werden.


Gesamtkilometer bisher: 356 km

16.Etappe-20.05.2009-Eusserthal-Bad-Klingenmuenster.ca.30-km
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Beim Frühstück in Mölschbach
Wanderwege durch Wald und Feld bis Johannikreuz.
Der Fernwanderweg, Nordsee-Rhein-Main-Donau-Karpatenweg
Das heutige Tagesziel in Eußerthal. Das war heute typisch. Wenn ich jemanden nach dem Weg frage, bekomme ich Wege gezeigt, die für die Bewohner hier, schön sind. Ich will aber nach Rom und nicht den nächsten Umweg, über den nächsten Gipfel laufen.