Samstag den 25.04.2009


10. Etappe:  von  Idar  Oberstein  nach  Lauterecken  32 km

Um 07.15 Uhr gibt es in der Jugendherberge Frühstück.
Wie üblich, sehr reichlich.
Um 07.30 Uhr verlasse ich die Jugendherberge und gehe, gleich links an der Herberge entlang. Dann die lang gezogene Treppe wieder hinunter, bis zur Hauptstraße. Diese verläuft auch steil hinunter, bis zur B 41, auf der ich dann die Stadt verlassen werde.
Ich gehe an der B 41 auf der rechten Seite entlang. Dann muss ich auf die linke Seite wechseln und gehe dann durch das Gras neben der Straße. Da baut sich vor mir eine große Felswand auf. Ich muss durch den Altenberg-Tunnel gehen, der 300 m lang ist. Das geht jedoch ohne Probleme, da ein breiter Gehweg vorhanden ist. Hier fließt die Nahe, an der ich ein Stück entlang gehe. Auf der rechten Seite, schließt sich das Industriegebiet von Idar Oberstein an.
Am nächsten Kreisverkehr verlasse ich die B 41 und gehe nach rechts. Bald erreiche ich Nahbollenbach, dann komme ich weiter, nach Mittelbollenbach und nach Kirchbollenbach. In Kirchbollenbach kaufe ich mir, in der Metzgerei, etwas zu Essen und eine Flasche Cola.
Ich benutze mein Navi um mich zu orientieren, bekomme aber leider kein Signal. Erst 15 km weiter, zeigt mein Navi wieder an. Zur Vorsicht frage ich aber noch einmal nach dem Weg. Ein junger Mann erklärt mir den weiteren Weg. Es soll eine Abkürzung sein. Frohgemut ob der Aussicht, eine Abkürzung zu gehen, ziehe ich los und finde mich schon bald, hoch in den Bergen wieder. Ich triefe vor Nässe! Das aber nicht, wegen der paar Tropfen Regen, die zwischenzeitlich mal gefallen sind, sondern vom Schweiß, der aus allen Poren schießt.
Mitten im Wald, treffe ich auf einen Waldarbeiter. Den frage ich nach dem, mir unten angekündigten Truppenübungsplatz.
Er sagt zu mir: „Da brauchst du nicht lange zu suchen. Du stehst schon mitten drin.“
Es handelt sich hier, um den Nato - Truppenübungsplatz Baumholder.
Da zurzeit hier ein Manöver abläuft, erklärt er mir, wie ich weitergehen muss, um unterwegs keinen Ärger zu bekommen. So steige ich weiter, steil bergauf und erreiche eine Panzerstrasse, auf der ich nach links weiter hinauf gehe. Diese mündet später auf eine Asphaltstraße. Diese geht um einen großen, freien Übungsplatz und dann ca. 5 km den Berg hinab um dann, am Industriegebiet Oberreidenbach auf die B 270 zu münden, auf der ich nun. nach rechts, weiter gehe.
Nun weiß ich auch, warum ich kein Signal auf meinem Navi hatte. Die Kaserne und der Truppenübungsplatz sind natürlich nicht vorhanden.
Nach kurzer Wegstrecke erreiche ich ein Bushaltehäuschen. Hier mache ich eine Pause und rufe Helga noch einmal an, da ich in Kirchbollenbach kaum Empfang hatte und schlecht telefonieren konnte. Ich versuche auch, Udo Wetzel anzurufen, es geht aber Niemand ran. Nachdem ich ca. 500 m weitergegangen bin, hält stattdessen ein junger Mann neben mir. Auch mit dem Namen „Udo“.
Er möchte mich ein Stück mit nehmen. Ich verneine jedoch. Dann steigt er aus seinem Auto aus. Greift nach hinten und holt eine Gitarre hervor. Er setzt sich  einen Qutdoor-Hut auf, genauso einen, wie ich anhabe. Er kommt zu mir und singt mir ein Ständchen. Von der anderen Straßenseite, hinter einem Bretterzaun, ruft einer: „Brüll nicht so, beim singen!“
Er singt weiter und lässt sich nicht stören. „Heute hier, morgen dort“.
 Er fragt mich: „Wo willst Du hin?“

Treffen sich zwei Tramps auf der Landstraße. Udo und Willi


Dann beginnt wieder das bekannte Frage- und Antwortspiel, mit den zweifelnden Blicken. Als auch er dann verstanden und begriffen hatte, dass ich nach ROM gehe, fragt er mich noch mal:
„Soll ich Dich ein Stück mit nehmen?  -  Ich wohne in Lauterecken!  -  Du kannst bei mir, auf dem Sofa schlafen!“
Ich lehne natürlich ab. Er sagt:
„Wenn Du bis Lauterecken kommst, kannst Du, ohne weiteres, bei mir schlafen!“
Ich hatte nicht vor, so weit zu gehen und frage ihn deshalb auch nicht, nach seiner Anschrift. Ich frage ihn:
„Was machst Du denn beruflich?“
Er sagt:
„Ich bin Pensionär! Ich war mal krank und dann hat man gemeint, das Arbeiten wäre nichts mehr für mich. Seit dem bin ich pensioniert.“

Er übersieht geflissentlich mein Grinsen, denn er ist ca. 30 - 35 Jahre alt. Ich vermute, dass er sein Geld als Straßenmusikant verdient. Sein ganzes Gebaren lässt darauf schließen. Wir machen noch ein paar Fotos und dann zischt er ab, mit seinem Golf GTI.
Ich ziehe ruhig weiter, passiere Sienhachenbach und komme nach Sein. An der Einmündung zur Dorfstraße, ist eine Tankstelle. Hier besorge ich mir etwas zu trinken. Hier, in Sein, wäre die Möglichkeit, zu übernachten. Es fehlen mir heute aber noch ein paar km am Tagessoll. So ziehe ich weiter, in der Hoffnung, im nächsten Ort  - Langweiler - ein Zimmer mieten zu können. Leider Fehlanzeige! Auch im nächsten Ort – Grumbach – Nichts! So muss ich wieder weiter. Ich komme an einem Ort vorbei, der weit vom Weg ab, am Berg angeklebt ist. Leider kann ich nicht ermitteln, wie er heißt. So komme ich doch noch zum Heimatort von Udo dem Straßenmusikanten. Hier bekomme ich, im einzigen Hotel am Ort, dem Pfälzerhof, ein Zimmer.
Nach 32 km müssen meine Füße dringend behandelt werden. An beiden Füßen, habe ich schmerzende Wunden, von den Blasen, an den Versen, die sich entzündet haben. Der kleine Zeh, am linken Fuß, ist auch verletzt  und schmerzt gewaltig. Das Schienbein links, schmerzt auch sehr, direkt über dem Fußgelenk und es ist angeschwollen. Meine Hüften schmerzen nur morgens, die ersten zwei Stunden. Dann ist dieser Schmerz seltsamerweise immer vorbei.   -  Ich sehe aber jetzt ein:  „Ich hätte in Sein bleiben sollen!“  -  Ich sehe es leider zu spät ein!
Es wird wohl noch eine Woche dauern, bis alle diese Wunden verheilt sind und ich keine Schmerzen mehr habe. Da muss ich wohl jetzt durch! Ich wusste es ja vorher, dass es so sein würde und dass es so kommen könnte! Doch was nutzt mir diese Einsicht jetzt?
Leider gibt es hier, in den Dörfern, keine Bars, wie aus dem Jakobsweg, wo man sich zwischendurch mal setzen kann, um etwas zu trinken, bis man sich wieder etwas erholt hat. Da es heutzutage, in den Dörfern, auch keine Tante-Emma-Läden mehr gibt, muss man sehr weit gehen, teilweise bis zu 10 – 15 km, ehe man etwas zum trinken kaufen kann. In Sein war wenigstens die Tankstelle. Dann gab es bis Lauterecken keine Möglichkeit mehr.
Morgen ist Sonntag. Da gibt es nirgendwo etwas. Da sind auch noch die Tankstellen dicht. Ich stelle voller Entsetzen fest, dass ich genau, wie in der Meseta, in Spanien, wieder diese Pusteln auf den Beinen habe. Die habe ich mir sicher auf dem Truppenübungsplatz geholt. Da war ich auch in kurzer Hose und im Regen unterwegs gewesen.
Ich rufe Helga an und danach gehe ich gleich ins Bett, denn meine geschundenen Füße brauchen Erholung. Vom Wetter her,  war es heute gut. Es hatte zwar zwischendurch, auf dem Truppenübungsplatz, schon mal geregnet, dann kam aber wieder die Sonne durch.
So habe ich heute, gute 32 km gemacht.

Gesamtkilometer: (+ 32 km) 0270,00 km

11.Etappe-26.04.2009-Lauterecken-Wolfstein.ca.17km
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Felsendom Idar-Oberstein
da muss ich durch
Nahbollenbach, Mittelbollenbach und Kirchbollenbach
Ich wurde wieder auf einen schönen Wanderweg geschickt und landete hoch oben im Wald auf dem Truppenübungsplatz Baumholder. Mein Navi zeigte deswegen nichts an
Sienhachenbach Sien, Langweiler, Grumbach
Pfälzerhof / Lauterecken