Freitag den 24.04.2009

9. Etappe: von Morbach nach Idar Oberstein
Heute war ein sehr schlechter Tag. Dabei fing er so gut an. Das Wetter war super und das Frühstück bei Frau Wollmann sehr gut. Mit allem, was dazu gehöret. Es begann damit, dass ich hoch über Morbach, den vom Fremdenverkehrsbüro empfohlenen Wanderweg Nr. 8 endlich gefunden hatte und ich in Richtung Langweiler und Sensweiler meine Wanderung aufnahm. Dieser bestimmt schöne Weg für Sonntagswanderer entpuppte sich als steiler Bergpfad. Er war länger und schwerer, als der Weg um den Berg herum, auf der Landstraße.
Zunächst ging es sachte, aber stetig aufwärts. Dann biegt der Weg nach rechts, vom Wirtschaftsweg, in den Wald ab und es geht steil und gerade, zwischen den Bäumen hoch. Nach ca. 1,5 km erreicht man dann, über eine Stahltreppe, einen Querweg. Zum Glück steht hier eine Ruhebank, auf der ich dann eine Pause einlegen konnte. Von hier hat man natürlich einen schönen Blick über Morbach, welches tief unten im Tal liegt. Hier oben ist es noch sehr kühl, da die Sonne hier nicht hinkommt und der Hochnebel hält sich hier noch. Doch über Morbach scheint schon die Sonne. Der kühle Wind lässt mich hier oben schon etwas frösteln.
Den Kaffee hätte ich mir heute Morgen sparen können, denn er kommt mir jetzt, durch die Anstrengung, wieder aus allen Poren. Doch die Jacke ausziehen geht nicht. Dafür ist der Wind zu kühl. Nach einer kurzen Rast gehe ich weiter. Der Wirtschaftsweg, auf dem ich jetzt gehe, steigt stetig an. Dann, als ich die Kuppe des Berges erreicht habe, führt der Weg schnurgerade abwärts. Ich orientiere mich an den Wegweisern und gehe in Richtung Allenbach. Mein Ziel ist die B 422, die nach Idar Oberstein führt. Auf halber Höhe erreiche ich einen Ortsteil von Allenbach. Hier frage ich einen Mann, der vor seinem Haus herumwerkelt, nach dem Weg bzw. wie ich am schnellsten zur B 422 komme. Er zeigt mir den Weg. Es geht nun rechts abwärts, zum Bach Idar. Nachdem ich etwas später, in eine schmale Strasse eingebogen bin, treffe ich auf ein älteres Ehepaar. Die Beiden sind dabei, Reisig auf Ihren Anhänger zu laden. Er spricht mich gleich an. Dann beginnt wieder das längst bekannte Frage - und Antwortspiel. Als ich ihm dann sage, dass ich nach ROM gehe, sagt er: „He Alte!  -  Hast du das gehört? Der geht zu Fuß nach ROM!“
Sie sagt: „So bekloppt müsste ich sein!“
Jetzt ist er aber richtig sauer. Er sagt zu mir:
„Mit der kannst Du überhaupt nichts anfangen!
Das, was Du machst, hätte ich auch gerne mal gemacht!
Ich war Busfahrer und bin wenigstens schon 20-mal in ROM gewesen.
Ich hatte mal hier, in unserer Gegend, mit meinem Bus geparkt, da kam ein Landstreicher daher und sprach mich an:
„Wir kaufen uns ein paar Flaschen Wein und gehen in die Weinberge. Dort suchen wir uns ein schönes Plätzchen und trinken die Flaschen aus.“
Ich habe ihn gefragt, wie er sich das dann vorstellt?
Ich musste ja schließlich auf die Leute warten und dann mit ihnen nach Hause fahren.“
Dann sagt er weiter:
„Als er dann weg war, tat es mir leid es nicht gemacht zuhaben. Es tut mir heute noch leid wenn ich daran denke.“
Da wurde es der Frau aber zuviel, und sie fing an, zu wettern:
„Muss ich hier alles alleine machen? Anstatt da Blödsinn zu erzählen, solltest du mir lieber helfen!“   -   „Was sagst Du da?  -  Blödsinn!“
Nun begannen sich die Beiden richtig zu streiten. Ich habe mich dann leise verdrückt und hörte, wie sie sich noch lange hinter mir ankeiften und stritten.  
Ich wandere nun den Berg hinunter. Der Weg zieht sich sehr lang hin, zum Idarbach. Hier gehe ich nach rechts.  -  War leider falsch!  -  Ich hätte nach links gemusst. Auf der nächsten Bank, die ich erreiche, lege ich eine Pause ein. Ich rufe zu Hause, bei meiner Helga an. In dem Moment kommt meine Tochter Sandra nach Hause und ich kann auch mit ihr sprechen.
Dann ziehe ich wieder meines Weges. Immer noch in die falsche Richtung. Bald taucht der Hauptort von Allenbach auf. Hier erkenne ich meinen Fehler und gehe nun auf der B 422 die 1,5 km zurück, die ich falsch gelaufen war. Nun lasse ich mich aber nicht mehr auf schöne Wanderwege schicken, sondern gehe jetzt stur auf der Landstraße weiter, bis Idar Oberstein.
Links neben mir fließt die Idar, an deren Ufer Campingplätze, Spielplätze, Fischteiche und Freizeitplätze eingerichtet sind.
Dann macht die Straße einen Rechtsbogen und ich gehe nach Katzenloch hinein. Dann geht es weiter an der Idar entlang, nach Kirchweiler und dem Ortsteil, der etwas links liegt, mit dem Namen „Auf der Lüh“.
Es beginnt ein langer Weg durch Kirchweiler, immer an der Idar entlang. Dann habe ich die Vororte von Idar Oberstein erreicht.
Der erste Ort heißt Unterstein und zieht sich lang durch das enge Tal. Dann kommt ein kurzes Stück,  wo keine Häuser sind. Ich dachte schon, bei den nächsten Häusern, die auftauchten, jetzt Idar Oberstein erreicht zu haben. - Weit gefehlt!  - Als ich nämlich nach der Jugendherberge frage, sagt man mir, dass diese in Idar Oberstein sei.
Also noch ca. 5 km von hier. Es hilft nichts, ich muss noch etwas weiterziehen. Doch die Füße brennen und das linke Schienbein schmerzt höllisch.
Hier gibt es,  in fast jedem Haus, wenigstens Einen, der an irgendwelchen Steinen herum schleift, oder in irgendeiner Form etwas damit zutun hat.
Ich befinde mich hier auf der deutschen Edelsteinroute. Warum auch nicht? Bald werde ich dann auf der deutschen Weinstraße wandeln.
Wie bei jeder Etappe, so auch auf dieser, habe ich dann mein Etappenziel Idar Oberstein erreicht.
Im Zentrum mache ich eine Pause, hole mein Navi heraus, gebe die Adresse der Jugendherberge ein und lasse mich von meinem Navi dort hin führen.
Heute erlebe ich eine regelrechte Bergankunft, denn ich muss 220 Treppenstufen nach oben steigen.
Die Jugendherberge liegt wieder mal am höchsten Punkt der Stadt. Mit der Treppe ist es aber noch nicht genug. Ich muss noch weitere ca. 400 m bergauf steigen, bis ich die Herberge endlich erreicht habe. 
Wer mag nur auf die glorreiche Idee gekommen sein, gerade an dieser Stelle eine Jugendherberge zu errichten? 
Das war wohl bisher das Schwerste, was ich hinter mich bringen musste.
Ich erreiche total ausgepumpt, die Herberge und bekomme auch noch ein Zimmer. Natürlich!  -   Ganz oben, im Dachgeschoß!  -  Macht nichts!  -  Hauptsache  ich bekomme mein Bett für die Nacht! 
Von hier kann ich die ganze Stadt übersehen, die durch eine Schnellstraße in zwei Teile getrennt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite sehe ich das Schloss von Idar Oberstein und das Wahrzeichen der Stadt den Felsendom.
Ich habe heute Morgen, um 10.00 Uhr, zur gleichen Zeit, als ich Helga anrief, auch in der Jugendherberge angerufen und mich angemeldet. Das wurde aber leider nicht notiert und so hätte ich hier auch noch, fast kein Bett bekommen.
Im Großen und Ganzen war es heute also ein schwerer und unschöner Tag, mit einem sehr schweren letzten Anstieg. Und dann noch ein Zimmer unter dem Dach. Wenn man dann aber erst mal geduscht hat (die Dusche ist auf dem Zimmer 1. Pluspunkt) und etwas erfrischt ist, dann sind die Mühen und Plage vergessen.

Felsendom Kirche und Jugendherberge auf dem Berg


Leider muss ich des Abends immer mehr Zeit darauf verwenden, meine Füße zu pflegen und zu verbinden. Nachdem ich wieder etwas erholt bin, gehe ich trotzdem noch einmal hinunter, in die Stadt. Ich gehe später aber nicht mehr die Treppen hoch, sondern benutze die Straße. Die zwar auch sehr steil ist, aber nicht so weh tut, an den Gelenken, wie die Treppe.
Heute waren es 30.00 km.
Gesamtkilometer: (+ 30 km)  0238,00 km

10.Etappe-25.04.2009-Idar-Oberstein-Lauterecken.ca.32km
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Morbach Zentrum und Waldwanderweg
Allenbach
Mein Weg führt mich am Idarbach entlang durch das enge Tal, an Campingplätze, Spielplätze, Fischteiche und Freizeitplätze vorbei. NachKirchweiler, Auf der Lüh, in die Vororte von Idar - Oberstein .
Idar-Oberstein und seine Vororte