Mittwoch den 22.04.2009

7. Etappe:  von  Manderscheid  nach  Platte   28 km


Heute beginnt mein Tag schon um 06.00 Uhr. Rucksack packen und alles fertig machen.
Um 07.30 Uhr gibt es Frühstück vom Frühstücksbuffet, wie im Hotel. Die Herberge ist gut gefüllt mit Jugendgruppen.
Ab 07.45 Uhr bin ich wieder auf meinem Weg, nach ROM, der ewigen Stadt.
Ich wende mich nach links und gehe in die Stadt. Am Kreisverkehr gehe ich nach rechts. In einem kleinen „Tante Emma Laden“, der aber schon geöffnet ist kaufe ich mir eine gute Straßenkarte von Marco Polo. Zusammen mit meinem Navi kann ich nun meine weiteren Routen besser planen, da fast jedes Dorf auf dieser Karte verzeichnet ist. Sie reicht bis weit hinter Karlsruhe.

Nun geht es weiter zur Stadt hinaus. Bevor es steil nach unten geht, sehe ich die zwei Manderscheider Burgen. Dann geht es 1 km steil bergab, bis zur Niederburg hinunter. Hier steht ein Restaurant, welches aber noch nicht geöffnet war.
Mir begegnet dort ein Mann, der einen gelben Sack zur Sammelstelle bringt. Wie er sagt, hat er schon immer hier gewohnt. Er ist 70 Jahre alt. Er fragt mich:
„Haben Sie Zeit? Können wir uns etwas unterhalten?“ 
„Klar können wir!“
  sage ich.
Dann geht es schon wieder los. Immer in etwa die gleichen Fragen, die gleichen Blicke, bis dass er begriffen hat, dass es mir ernst ist und ich wirklich nach ROM gehen will.
Er erzählt mir, dass vor Jahren ein Pilger gekommen sei, der nach Santiago de Compostela unterwegs gewesen sei. Er habe dann bei ihm übernachtet. Auch er habe eine Gitarre dabei gehabt und man habe dann, in fröhlicher Runde, abends in seinem Haus, zusammen gesessen und Lieder gesungen. Dann sagt er, er würde auch gerne eine solche Pilgerreise unternehmen, sei aber jetzt zu alt dafür. Er sagt mir dann, ich solle hinter den Häusern   (2 Stck. das ganze Dorf)   nach rechts, über die kleine Brücke gehen, dann könne ich am Waldrand vorbei, den Berg hinauf, nach Pantenburg gehen.
Ich hatte den Eindruck, dass er sehr einsam hier unten war und jede Möglichkeit wahrnimmt, sich zu unterhalten, wenn mal jemand durch sein Tal kommt.
Ich befolge dann auch seinen Rat und gehe nach rechts, über die Holzbrücke und dann immer, in Sichtweite zur Straße, am Berghang entlang. Dieser Bergpfad ist wohl kein Vergnügen, denn er ist sehr schmal und man muss aufpassen, dass man nicht abrutscht und im Bach landet. Ich bin froh, als er dann links abbiegt und über eine Brücke, wieder auf einer Landstraße mündet. Ich wandere auf dieser Landstraße hoch, nach Patenberg.
Am Ortsanfang ist ein Getränkegroßhandel. Hier kann ich 2 Flaschen Cola kaufen. Der Mann dort gibt mir den Rat, wenn ich über die Kuppe des Berges komme, rechts auf den Fahrradweg zu gehen und stur darauf zu bleiben. Ich betrete den Radweg bei dem km 22,5 und wandere auf ihm weiter. Alsbald erreiche ich eine Informationstafel auf der wird der weitere Weg beschrieben.
Es handelt sich hier um den Maare-Mosel-Radweg, der von Daun bis nach Wengerohr im Liesertal geht.
Hier ist der „0“ - Punkt.
Ich wandere auf diesem schön angelegten Weg nach Laufeld und weiter nach Hasborn. Es geht weiter an Greimerath vorbei nach Plein.
Unter einer Autobahnbrücke hindurch, wandere ich weiter und passiere den schönen alten Kleinbahnhof von Plein.
In Greimerath  verlasse ich die Vulkaneifel, was mit einem Schild angezeigt wird. Hinter Plein komme ich zum ersten Tunnel, durch den ich durchlaufen muss. Er hat eine Länge von 585 m.

viele Tunnel und Brücken auf dem Maare - Mosel - Weg von Daun bis Lieser a.d. Mosel


Unmittelbar dahinter kommt der Pleiner-Viadukt, der über ein tiefes Tal führt. Dann kommt der nächste Tunnel. Der Unkensteintunnel hat eine Länge von 140 m. Gleich danach passiere ich den Grünewaldtunnel mit einer Länge von 174 m. Dahinter spannt sich eine uralte Brücke über ein Tal, die nicht mehr benutzt werden kann und fast zugewachsen ist durch Bäume und Sträucher.
Dann wird der Wald plötzlich von den ersten Weinbergen der Mosel abgelöst. Der Weg zieht sich aber noch sehr lange hin, bis ins Zentrum von Wittlich. Hier kaufe ich mir zu erst etwas zu Essen, bevor ich weiter gehe.
Auf dem Weg nach Wengerohr hält mich eine Frau an, die mit 5 Kindern schon eine ganze Weile hinter mir geht. I
ch habe wohl mit bekommen, dass ich ihr Gesprächsthema war. Sie spricht mich an:
„Entschuldigen Sie bitte, kann ich Sie mal stören? Die Kinder hätten ein paar Fragen an Sie!“ 
Sie haben den Spruch auf meiner Gitarre gelesen und fragen auch gleich: „Gehen Sie wirklich nach Rom?“
Ich sage:  „Ja !“ 
Ein erstauntes  „Booooh“  und dann kommt die Frage:
„Wie lange musst Du dann noch laufen?“ 
„Noch ca. 10 Wochen schätze ich mal. Ich weiß das noch nicht so genau.“
  sage ich.   „Wie viel km gehst Du denn am Tag?“
„Zurzeit sind es etwa 25 - 35 km. Wenn ich aber richtig eingelaufen bin, werden es wahrscheinlich noch mehr sein. Ich bin noch in der Einlaufphase.“
  
Dann kommt eine Frage, die mich so unerwartet echt erwischt:
„Wie würdest Du einen Pilger beschreiben?“
 
Hier muss ich doch zuerst etwas überlegen.
„Ich kann hier nur von meiner Erfahrung, auf meinen Pilgerwegen nach „Santiago de Compostela“ ableiten.
Ich habe dort Pilger erlebt, die alle irgendeine Motivation haben die sie solche schweren Wege gehen lässt. Ich traf einen Mann, noch sehr jung, der zwischen zwei Chemotherapien den Jakobsweg pilgerte.  -   Eine Frau lernte ich kennen, sie leitete als Hopitalera eine Albergue. Ihr Mann war ½ Jahr vorher gestorben und Sie stellte sich in den Dienst der Pilger. Eine andere Frau hatte 2 Jahre zuvor einen Schlaganfall gehabt. Ihr Mann saß im Rollstuhl. Er war Schwermütig und Frühinvalide. Diese Frau pilgerte, mit einer so großen Hoffnung, an das Grab des hl. Jakobs um dort vielleicht Antworten auf Fragen zu bekommen. Ich traf niemanden, der aus rein sportlichen Gründen pilgerte. Ein Holländer begründete seine Pilgerreise damit, dass er seinen Freund nach Santiago de Compostela mitnimmt. Der Freund war verstorben. Ich kenne meine Motivation und möchte einfach sagen: „Ein Pilger ist ein Mensch, der aus religiösen Gründen eine Pilgerreise unternimmt. Dabei spielt es keine Rolle, welschen Glaubens er ist. Wichtig sind die mentale Einstellung und das Hinwenden zu dem, an den er glaubt. Die Moslems pilgern z.B. nach Mecca.“

Dann wünschten mir die Kinder und ihre Betreuerin alles Gute und ich zog weiter, nach Wengerohr.
Hier am „0“ - Punkt endet der Maare-Mosel-Radweg, der die ganze Strecke über fast immer, auf gleicher Höhe geblieben ist und fast eben, ohne auf und ab, bis hier her verlief.
Er bildete vor Jahren noch den Untergrund für die Regionalbahn, die hier auf Schienen fuhr und die umliegenden Dörfer miteinander verband.
Ich bin lange Strecken  durch Wald gelaufen. Es gab viele schöne Rastplätze am Weg.
Klasse war das!   -    Der Weg geht aber weiter, bis an die Mosel. Von Wengerohr  aus muss ich noch 2 km laufen, bis Platte. Hier ist mein heutiges Etappenziel.

Etappenziel für heute das Hof - Cafe in Platten


In Platte weißt man mir den Weg zum Hof-Cafe. Es liegt etwas außerhalb. Hier bekomme ich ein schönes Appartement. Es ist das letzte was frei ist. Nach 28 km bin ich nun kurz vor der Mosel. Das Wetter war gut und warm. Meine Hüftgelenke schmerzen natürlich und ich habe Blasen an den Füßen. Die Schienbeine brauchen auch Behandlung.
Die ersten 2 Wochen sind halt die schwersten. Irgendwann sind die Schmerzen vorbei und dann geht es besser.

Gesamtkilometer: (+ 28,00 km)  0177,00 km

08.Etappe-23.04.2009-Platte-Morbach.ca.31km
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Manderscheid-Burgen
Der Maare - Mosel - Weg
Bahnhof Plein
Ende Vulkaneifel
Hassborn
Bilder vom Weg / Rast
bei Wittlich
Wengerohr